Der finale Triumph

Autor :   Zac Poonen

Kapitel 1
KAPITEL 1

Sieben einführende Bemerkungen

V. 1-3: Dies ist die Offenbarung Jesu Christi, die ihm Gott gegeben hat, seinen Knechten zu zeigen, was in Kürze geschehen soll; und er hat sie durch seinen Engel gesandt und seinem Knecht Johannes kundgetan, der bezeugt hat das Wort Gottes und das Zeugnis von Jesus Christus, alles, was er gesehen hat. Selig ist, der da liest und die da hören die Worte der Weissagung und behalten, was darin geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe (LUT 1984).

In diesen ersten drei Versen finden wir sieben Ausdrücke, die für das gesamte Buch der Offenbarung eine Einführung darstellen.

Als Allererstes wird dieses Buch eine Offenbarung genannt. Das Wort „Offenbarung" ist die Übersetzung eines griechischen Wortes, das „eine Enthüllung" bedeutet. Gott allein kann uns seine Wahrheiten enthüllen. Das ist das Erste, was wir bedenken müssen. Wir benötigen den Geist der Weisheit und Offenbarung, wenn wir verstehen wollen, was Gott uns in seinem Wort sagen möchte. Menschliche Klugheit kann es niemals erfassen.

Zweitens lesen wir, dass diese Offenbarung gegeben wurde, um sie „seinen (Christi) Knechten zu zeigen". Sie ist nicht für jeden bestimmt. Sie ist nur für die willigen Knechte [Sklaven] des Herrn bestimmt.

Es gibt einen Unterschied zwischen einem bezahlten Diener und einem Knecht. Ein Diener arbeitet für Lohn. Aber ein Knecht ist ein Sklave, der seinem Herrn gehört und überhaupt keine eigenen Rechte hat.

Wer sind dann die Sklaven des Herrn? Diejenigen, die all ihre eigenen Pläne und Ambitionen und all ihre Rechte freudig aufgegeben und die nun das Verlangen haben, in jedem Bereich ihres Lebens allein Gottes Willen zu tun. Nur solche Gläubige sind echte Knechte.

Der Herr hat viele Diener, aber sehr wenige willige Knechte. Gottes Wort kann nur von seinen Knechten richtig verstanden werden. Andere mögen in der Lage sein, es intellektuell zu studieren, so wie man ein Textbuch studiert. Aber sie werden nie in der Lage sein, die darin verborgenen geistlichen Wirklichkeiten zu verstehen. Jesus machte in Johannes 7,17 deutlich, dass jemand nur durch den Gehorsam gegenüber dem Willen Gottes die Wahrheit erkennen kann.

Drittens wird uns gesagt, dass dieses Buch Johannes „signalisiert" wurde (V. 1; KJV). Das bedeutet, dass dieses Buch durch Symbole kommuniziert wurde. Wir lesen allein in den ersten drei Kapiteln von Leuchtern und Sternen, bronzenen Füßen, einem zweischneidigen Schwert, vom verborgenen Manna und einem weißen Stein usw. Diese sind nicht buchstäblich zu verstehen. Wir müssen die Heilige Schrift mit der Heiligen Schrift vergleichen, um zu sehen, was diese Symbole bedeuten.

Viertens nennt Johannes diese Enthüllung „das Wort Gottes" (V. 2). In Offenbarung 22,18-19 wird über jeden, der „den Worten der Weissagung dieses Buches" etwas hinzufügt oder etwas wegnimmt, ein hartes Gericht angekündigt. Es gibt kein Buch in der ganzen Bibel, das eine solche ernste Warnung enthält.

Alle Teile des Wortes Gottes wurden uns „zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit" gegeben, damit wir „vollkommen und zu allem guten Werk geschickt" sein mögen (2Tim 3,16-17).

Das Buch der Offenbarung wurde uns auch gegeben, um uns vollkommen zu machen. Nur wer daran interessiert ist, in seinem Leben vollkommen zu werden,

wird aus dem Studium irgendeines Teiles des Wortes Gottes den maximalen Nutzen ziehen.

Fünftens ist diese Offenbarung „das Zeugnis von Jesus Christus" (V. 2). In Offenbarung 19,10 lesen wir, dass „das Zeugnis Jesu der Geist der Weissagung ist". Wahre Prophetie wird immer auf den Herrn und nicht bloß auf Ereignisse hinweisen. Ein wirkliches Verständnis von Prophetie wird uns vor dem Herrn demütigen und uns nicht auf unsere eingebildete Erkenntnis über kommende Ereignisse stolz machen. Auch wenn wir uns über die korrekte Abfolge verschiedener Ereignisse in der Zukunft irren, werden wir gut abschneiden, wenn wir uns in unserer Erkenntnis des Herrn nicht irren.

Obwohl diese Offenbarung enthüllt, „was in Kürze geschehen soll" (V. 1), ist das nicht ihr Hauptzweck. Sie wird „das Zeugnis von Jesus Christus" genannt. Sie wurde uns nicht gegeben, damit wir eine detaillierte Erkenntnis über künftige Ereignisse haben, sondern um uns zu zeigen, dass der Herr Jesus die Kontrolle über diese künftigen Ereignisse hat. Was wir im ganzen Buch der Offenbarung sehen ist in erster Linie der Triumph des Herrn.

„Richten wir unsere Augen daher auf Jesus", während wir durch dieses Buch gehen.

Sechstens wird über jene, die „behalten, was darin geschrieben ist", ein Segen ausgesprochen (V. 3). Das letzte Buch der Bibel wurde uns gegeben, damit wir ihm GEHORCHEN. Es ist ein Segen, jedem einzelnen Teil der Heiligen Schrift zu gehorchen. Aber das Buch der Offenbarung ist das einzige Buch, in dem denen, die gehorchen, was darin geschrieben ist, ein besonderer Segen verheißen ist.

Auch wenn wir nicht viel von der Symbolik verstehen, die in diesem Buch enthalten ist, wird es ausreichen, wenn wir dem, was wir lesen, gehorchen. Kein Segen ist denen verheißen, die verstehen, was die Symbole bedeuten oder denen, die die Abfolge der künftigen Ereignisse genau auslegen können. Gehorsam bedeutet weit mehr als ein intellektuelles Verständnis seines Wortes. Leider schätzen die meisten Gläubigen die Kenntnis des Wortes höher ein als Gehorsam.

Die Nahrung, die wir essen, wird in Fleisch, Blut und Knochen umgewandelt, selbst wenn wir nicht verstehen, wie das geschieht. Es reicht aus, wenn unser Verdauungssystem richtig funktioniert. So ist es auch im geistlichen Bereich. Erkenntnis ohne Gehorsam gegenüber Gott ist wie nicht verdaute Nahrung. Sie bringt Tod statt Leben. Erkenntnis plus Gehorsam bringt Leben.

Am Anfang und am Ende des Buches der Offenbarung sehen wir, dass der Aufruf zum Gehorsam wiederholt wird (Offb 1,3; 22,7). Das ganze Buch der Offenbarung ist zwischen diesen beiden Aufrufen zum Gehorsam wie ein Sandwich eingezwängt.

Siebtens wird auch denen ein Segen verheißen, die „die Worte dieser Weissagung lesen" (V. 3) - eine Bezugnahme auf diejenigen, die dieses Buch öffentlich vorlesen und es anderen Gläubigen lehren.

Erinnere dich daran, dass für Christen im ersten Jahrhundert keine persönlichen Kopien des Buches der Offenbarung verfügbar waren. Die einzige Möglichkeit, wie jemand die Botschaft dieses Buches hören konnte war, wenn es in den Versammlungen der Gemeinde vorgelesen wurde. Aus diesem Grunde ermutigte Paulus Timotheus „mit dem Vorlesen, mit Ermahnen und mit Lehren fortzufahren" (1Tim 4,13).

Die Anwendung für uns heute besteht darin, dass wir mit anderen teilen sollten, was wir von Gott durch sein Wort empfangen. Für alle, die das tun, wird hier ein Segen verheißen.

Gnade und Friede von Gott

V. 4-8: Johannes an die sieben Gemeinden in der Provinz Asien: Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt, und von den sieben Geistern, die vor seinem Thron sind, und von Jesus Christus, welcher ist der treue Zeuge, der Erstgeborene von den Toten und Herr über die Könige auf Erden! Ihm, der uns liebt und uns erlöst hat von unsern Sünden mit seinem Blut und uns zu Königen und Priestern gemacht hat vor Gott, seinem Vater, ihm sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Siehe, er kommt mit den Wolken, und es werden ihn sehen alle Augen und alle, die ihn durchbohrt haben, und es werden wehklagen um seinetwillen alle Geschlechter der Erde. Ja, Amen. Ich bin das A und das O, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige.

Johannes beginnt mit einem Gebet, dass ihnen Gnade und Friede von Gott zuteilwerden möge.

„Gnade" bedeutet „Gottes Hilfe, die uns gemäß unserer gegenwärtigen Not angeboten wird". Wenn wir Vergebung benötigen, kann Gnade uns vergeben. Wenn wir Kraft benötigen, um Sünde zu überwinden, kann Gnade uns mit Kraft ausstatten. Wenn wir Hilfe brauchen, um in einer Zeit der Prüfung treu zu sein, kann Gnade uns die notwendige Hilfe geben. Gottes Gnade ist für jede Not stets ausreichend.

„Friede" ist eine weitere Gabe Gottes - Friede in unserem Herzen, ohne nagende Schuldgefühle oder Verdammnis; und Friede mit Menschen in unserem Umfeld, was Gemeinschaft in der Gemeinde hervorbringt.

Der Gruß wird im Namen des dreieinigen Gottes gesandt.

Der Eine, der immer in der Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft existiert ist eine Bezugnahme auf den Vater.

„Die sieben Geister" beziehen sich auf den Heiligen Geist. Die Zahl sieben symbolisiert in der Heiligen Schrift Vollkommenheit. Und die „sieben Geister" beziehen sich auf den Heiligen Geist als den Geist der Vollkommenheit. In Jesaja 11,2-3 wird der Heilige Geist wie folgt bezeichnet: (i) der Geist des Herrn; (ii) der Geist der Weisheit; (iii) der Geist des Verstandes; (iv) der Geist des Rates; (v) der Geist der Stärke; (vi) der Geist der Erkenntnis; und (vii) der Geist der Furcht des Herrn.

Jesus Christus, die zweite Person der Dreieinigkeit, wird durch eine Reihe von Titeln bezeichnet, die wir uns der Reihe nach anschauen können (V. 5).

Die Titel Christi

„Der treue Zeuge" weist auf die absolute Vertrauenswürdigkeit unseres Herrn in Bezug auf die Verheißungen, die er gemacht hat, hin.

„Der Erstgeborene von den Toten" verweist auf ihn als den ersten Menschen, der den Tod überwunden und für immer aus dem Grab herausgekommen ist. Andere, die vor ihm vom Tode auferweckt wurden, sind wieder gestorben. Nun, da Jesus den Tod dauerhaft überwunden hat, brauchen wir Krankheit oder Tod nie mehr zu fürchten.

Jesus wird auch „der Herr über die Könige auf Erden" genannt . Unserem Herrn wurde alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben. Er kontrolliert auch die Herzen von irdischen Herrschern. „Des Königs Herz ist in der Hand des Herrn wie Wasserbäche; er lenkt es, wohin er will" (Spr 21,1).

Unser Herr wird ferner als der, „der uns liebt und uns mit seinem Blut von unsern Sünden erlöst hat" (V. 5), bezeichnet. Seine Liebe für uns ist ewig. Er vergoss sein Blut nicht nur, um uns unsere Sünden zu vergeben, sondern um uns auch ein für

alle Mal von unseren Sünden zu befreien. Die erste Verheißung im Neuen Testament lautet, dass Jesus „sein Volk von ihren Sünden retten wird" (Mt 1,21). Von der Macht der Sünde befreit zu werden, ist das große Thema des gesamten Neuen Testaments. Keine Sünde kann nun über uns herrschen, wenn wir unter der Gnade leben (Röm 6,14).

Ein Königreich von Priestern für Gott, unseren Vater

Darüber hinaus wird uns gesagt, dass uns der Herr Jesus „zu einem Königtum und zu Priestern für seinen Gott und Vater" gemacht hat (V. 6).

Das „Reich Gottes" ist der Bereich, in dem Gott absolute Autorität ausübt. Die Kirche ist eine Repräsentation des Reiches Gottes auf Erden - d.h. eine Gruppe von Menschen, die zu „einem Reich" wurden, weil sie sich in jedem Bereich ihres Lebens der Autorität Gottes unterworfen haben. Der Herr hat eine widerspenstige Bande in ein friedliches Reich verwandelt - ein Volk, das nun von Gott regiert wird.

Wir sind auch zu Priestern gemacht worden. Jeder einzelne Christ - Mann oder Frau - wurde zu einem Priester für den Herrn gemacht. In Gottes Augen gibt es so etwas wie eine spezielle Klasse von Menschen, die in der Kirche „Priester" genannt werden, nicht. Das ist ein alttestamentliches Konzept. Dort, wo eine solche Priesterklasse in der heutigen Kirche existiert, führt sie das Volk Gottes zurück in Zustände, wie sie vor Christi Geburt bestanden haben! Wir sind ALLE Priester.

Als Priester sind wir berufen, Gott Opfer darzubringen. Während sie im Alten Testament die Leiber von Tieren opferten, geben wir heute unsere eigenen Leiber Gott als lebendiges Opfer hin (Röm 12,1).

Der Ausdruck „seinem Gott und Vater" ähnelt dem Ausdruck „ meinem Vater und eurem Vater, meinem Gott und eurem Gott" (Joh 20,17), den Jesus nach seiner Auferstehung benutzte. Sein Vater ist jetzt auch unser Vater geworden. Wir können jetzt in Gott als unserem Vater Sicherheit finden, genauso wie Jesus darin Sicherheit fand:„Amen", sagt Johannes (V. 6). Und auch wir sagen: „So soll es sein."

Ihm allein „sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit!" (V. 6).

In Vers 7 wird dann die Rückkehr Christi auf die Erde vorausgesagt. Das Letzte, was diese Welt von unserem Herrn sah, war der Anblick, als er in Schande am Kreuz von Golgatha hing. Aber eines Tages wird ihn die Welt mit den Wolken in Herrlichkeit wiederkommen sehen. Alle Augen werden ihn sehen. Auch jene, die ihn durchbohrt haben (das Volk Israel) werden ihn sehen. Die Völker der Erde werden wehklagen, wenn er kommt. Aber wir werden uns freuen. Erneut sagt Johannes

„Amen". Und wir sagen: „So soll es sein."

In Vers 8 bezeichnet sich Gott selbst als das A und das O [das Alpha und das Omega], als den Allmächtigen und ewig existierenden Gott. Er war schon am Anfang da, als noch nichts existierte. Er wird auch zur Zeit des Endes da sein. Es gibt nichts, was jemals irgendwo stattfinden kann, was Gott überraschen wird. Unser Vater kennt nicht nur das Ende von Anfang an. Aber da er der allmächtige Gott ist, kontrolliert er auch alle Dinge. Daher brauchen wir hinsichtlich der Zukunft keinerlei Angst zu haben.

Am Ende des Buches der Offenbarung wird Gott erneut als der Allmächtige und als das Alpha und Omega bezeichnet (Offb 19,6; 22,13). Wir könnten sagen, dass das ganze Buch der Offenbarung zwischen diesen beiden Aussagen, die sich auf die allwissende, allmächtige Kraft unseres Gottes und Vaters beziehen, eingezwängt ist. Das gibt uns vollkommene Sicherheit, wenn wir hier von den Prüfungen und Bedrängnissen, die dem Volk Gottes widerfahren und von den Katastrophen lesen, die in den letzten Tagen über die Welt um uns herum hereinbrechen werden.

Im gesamten Neuen Testament wird Gott nur zehnmal „allmächtig" genannt. Und neun von diesen zehn Erwähnungen finden wir in der Offenbarung. Der Grund dafür: Gott möchte, dass wir in der Tatsache, dass er allmächtig ist und alles kontrolliert, verwurzelt und gegründet sind, wenn wir dieses Buch lesen. Die einzigen anderen Erwähnungen findet man in 2. Korinther 6,17 und 18, wo Gott sein Volk aufruft, sich von allem Unreinen abzusondern. Das zeigt uns, dass sich Gott nur denen, die das Verlangen haben, sich von allem, was unrein und gegen das Wort Gottes ist, abzusondern, als „ALLMÄCHTIG" offenbaren wird. Das Buch der Offenbarung ist in erster Linie für solche Menschen geschrieben.

Sieben herrliche Wahrheiten

Einige der größten Wahrheiten, in denen wir in diesen Tagen gegründet sein müssen, sind die, die wir gerade betrachtet haben, die unseren Herrn und unsere Beziehung zu ihm betreffen:

(1) Die absolute Zuverlässigkeit der Verheißungen unseres Herrn

(2) Sein Triumph über den größten Feind des Menschen (den Tod)

(3) Seine völlige Autorität über alles im Himmel und auf Erden

(4) Seine ewige und unwandelbare Liebe für uns

(5) Er befreit uns von der Macht der Sünde

(6) Sein Vater ist jetzt auch unser Vater

(7) Seine Wiederkunft, um auf Erden sein Reich aufzurichten.

Wir müssen in diesen Wahrheiten verwurzelt und gegründet sein, wenn wir in den kommenden Zeiten fest und unerschütterlich bleiben wollen.

Ermutigung in der Bedrängnis

V. 9-10: Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der Bedrängnis und am Reich und an der Geduld in Jesus, war auf der Insel, die Patmos heißt, um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses von Jesus. Ich wurde vom Geist ergriffen am Tag des Herrn und hörte hinter mir eine große Stimme wie von einer Posaune, ...

Hier lesen wir, dass sich Johannes selbst als „euer Bruder" bezeichnet. Johannes war zu der Zeit der einzige noch lebende Apostel von den Zwölfen, die Jesus auserwählt hatte. Er war ungefähr 95 Jahre alt, als ihm Gott diese Offenbarung auf der Insel Patmos gab. Bis dahin war er bereits mehr als 65 Jahre lang mit Gott gewandelt. Aber er war immer noch ein Bruder.

Er war nicht Papst Johannes oder Hochwürden Johannes. Er war nicht einmal Pastor Johannes! Er war bloß ein gewöhnlicher Bruder. Jesus hatte seine Jünger gelehrt, alle Titel zu meiden und sich selbst stets nur als Bruder zu bezeichnen (Mt 23,8-11). Die Apostel gehorchten buchstäblich, anders als viele heute.

Wir haben nur ein Haupt und einen Führer - Christus. Alle Übrigen von uns sind

Brüder , egal was unser Dienst oder unsere Erfahrung in der Gemeinde sein mögen.

Johannes bezeichnet sich auch als „Mitgenosse an der Bedrängnis in Jesus". Jeder voll hingegebene Jünger Jesu sollte bereit sein, an der „Bedrängnis, die in Jesus ist" teilzuhaben, solange er in dieser Welt ist.

Johannes erhielt dieses Offenbarung nicht, als er in Bequemlichkeit lebte. Er erhielt sie, während er auf Patmos Bedrängnis erlitt, weil er „dem Wort Gottes und dem Zeugnis von Jesus" treu geblieben war (V. 9). Er musste selbst Trübsal erfahren, um in der Lage zu sein, über die Heiligen zu schreiben, die in den letzten Tagen die große Trübsal vom Antichristen erleiden würden. Gott führt uns zuerst durch Prüfungen und Bedrängnisse, bevor er uns einen Dienst für andere, die Trübsal erleiden, gibt.

Paulus schrieb: „… Gott tröstet uns in aller unserer Trübsal, damit wir auch trösten können, die in allerlei Trübsal sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott" (2Kor 1,4).

Es ist daher nicht überraschend, dass die Lehre, dass Jesus vor der großen Trübsal heimlich kommen und seine Kirche aus der Welt nehmen (entrücken) würde, das erste Mal in einem Land (England) aufkam, wo Christen in Bequemlichkeit lebten, und zu einer Zeit (Mitte des 19. Jahrhunderts), in der sie überhaupt keine Verfolgung für ihren Glauben erlitten. Diese Doktrin wird auch heute noch in Ländern, wo es überhaupt keine Christenverfolgung gibt, verkündet und von Christen, die ein leichtes und bequemes Leben führen, geglaubt.

Da die Gebete der meisten Christen im Wesentlichen die Aufforderung, „Herr, mache mein Leben hier auf Erden noch bequemer", beinhalten, ist es nicht überraschend, dass sie diese Lehre von einer Entrückung der Kirche vor der Trübsal freudig angenommen haben. Auf diese Weise hatte Satan Erfolg damit, die Masse der Christen mit einem falschen Trost einzulullen, sodass sie die große Trübsal unvorbereitet treffen wird, wenn sie über sie hereinbricht.

Die Worte Jesu sind deutlich: „In der Welt HABT IHR ANGST [Trübsal]; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden" (Joh 16,33). Er hat nie verheißen, dass wir der Trübsal - seien es nun kleine Trübsale oder die große Trübsal - entkommen würden. Aber er sagte, dass wir überwinden können, so wie er überwunden hat. Er ist weit mehr daran interessiert, uns zu Überwindern zu machen, als uns aus der Trübsal zu erretten, weil er weit mehr an unserem Charakter als an unserer Bequemlichkeit interessiert ist.

Noch sagte Jesus jemals, dass das Entrinnen aus der großen Trübsal eine Belohnung für Treue wäre, wie einige lehren. Im Gegenteil, er sagte, dass diejenigen, die alles aufgaben, um ihm nachzufolgen, sogar noch größere Trübsale erleiden würden als die, die ihm nicht nachfolgen (Mt 10,30).

Als er für seine Jünger zum Vater betete, sagte er: „Ich bitte dich nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen" (Joh 17,15). Er wollte NICHT, dass seine Jünger zu der Zeit aus der Welt hinaus entrückt würden, bloß weil sie Trübsal erlitten.

Im 3. Jahrhundert, als Christen in den römischen Amphitheatern den Löwen vorgeworfen und in verschiedenen Teilen des Römischen Reiches am Marterpfahl verbrannt wurden, hat der Herr sie nicht aus solchen Trübsalen errettet. Der Gott, der zur Zeit Daniels den Löwen den Rachen verstopft und die Macht des feurigen Ofens weggenommen hatte, hat KEINE solchen Wunder für diese Jünger Jesu getan

- denn dies waren neutestamentliche Christen, die Gott durch ihren Tod verherrlichen würden. Wie Jesus, ihr Herr, baten sie weder darum, noch erwarteten sie, dass zwölf Legionen Engeln kommen und sie vor ihren Feinden beschützen würden.

Gott beobachtete vom Himmel aus, wie die Braut seines Sohnes von Löwen in Stücke zerrissen und zu Asche verbrannt wurde; und er wurde durch ihr Zeugnis verherrlicht - denn sie waren „dem Lamm gefolgt, wohin es ging", sogar bis in einen gewaltsamen Tod (Offb 14,4). Das einzige Wort, das der Herr zu ihnen sprach, war:

„Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben" (Offb 2,10).

Sogar heute, wenn die Jünger Jesu in vielen Ländern für seinen Namen gefoltert und verfolgt werden, nimmt sie der Herr nicht von dieser Erde weg. Und er wird auch uns nicht vor der großen Trübsal in den Himmel entrücken. Er wird etwas Besseres tun. Er wird uns inmitten der großen Trübsal zu Überwindern machen.

Jesus ist weit mehr daran interessiert, uns vom Bösen zu erretten. Er lässt zu, dass wir durch Trübsale gehen, weil er weiß, dass es der einzige Weg ist, wie wir geistlich stark werden können.

Eine solche Botschaft ist für eine Bequemlichkeit liebende Christenheit, die jeden Sonntag in ihren Kirchenbänken von Ohren kitzelnden Predigern verhätschelt wird, eine befremdliche Lehre. Aber das ist die Botschaft, die die Apostel den ersten Gemeinden verkündeten. „Sie stärkten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, im Glauben zu bleiben, und sagten: Wir müssen durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes eingehen" (Apg 14,22).

Die kleinen Prüfungen, denen wir heute zuhause und bei der Arbeit begegnen, sind bloß eine Vorbereitung für die größeren Prüfungen, die in der Zukunft auf uns zukommen werden. Deshalb ist es unbedingt notwendig, dass wir jetzt treu sind. Denn Gott sagt: „Wenn es dich müde macht, mit Fußgängern zu gehen, wie wird es dir gehen, wenn du mit Rossen laufen sollst?" (Jer 12,5).

Johannes spricht hier darüber, ein „Mitgenosse an der Bedrängnis und am Reich und an der Geduld in Jesus" zu sein (V. 9). Wir müssen zuerst mit Jesus an der Trübsal teilhaben, bevor wir mit ihm seinen Thron in seinem Reich teilen können.

Geduld ist eine große Tugend, die im ganzen Neuen Testament betont wird. Jesus selbst sagte: „Dann werden sie euch der Bedrängnis preisgeben … Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig werden" (Mt 24,9.13).

„Im Geist" sein

Johannes empfing diese Offenbarung am Tag des Herrn (V. 10). Der erste Tag der Woche wurde der „Tag des Herrn" genannt, weil dies der Tag war, an dem Jesus von den Toten auferstand, nachdem er Sünde, Satan, Tod und Grab überwunden hatte.

Die ersten Jünger versammelten sich am ersten Tag jeder Woche, um einander zu erbauen und um Brot zu brechen (Apg 20,7; 1Kor 16,2). Sie hatten während des Jahres keine speziellen Feiertage. Sie hatte keinen „Karfreitag" oder „Ostern" oder

„Weihnachten". Sie waren von der Beobachtung von Tagen und Festzeiten usw. befreit worden, denn sie waren unter den neuen Bund gekommen (Kol 2,16-17).

Johannes war „im Geist" und deswegen hörte er die Stimme des Herrn. Wir können diese Stimme auch heute hören - wenn wir im Geist sind. Es hängt alles davon ab, worauf unser Sinn gerichtet ist. Wenn unser Sinn auf irdische Dinge ausgerichtet ist, dann werden die Stimmen, die wir hören, irdische Dinge betreffen.

Wir wissen beispielsweise, dass es in den Radiowellen, die um uns herum in der Luft sind, viele Stimmen gibt. Die Stimme, die wir aufnehmen, wird von der Frequenz, in der wir unser Radiogerät darauf einstellen, abhängen. Du kannst Gottes Wort über das Radio hören oder du kannst Satans Rockmusik über das Radio hören. Die Entscheidung liegt bei dir.

Genauso ist es mit unserem Verstand. Wenn wir im Geist sind - d.h. wenn unser Geist auf Dinge, die droben sind (Kol 3,2), ausgerichtet ist - dann werden wir auf die Stimme des Herrn hören.

Aber es gibt noch andere Stimmen, die ebenfalls um unsere Aufmerksamkeit buhlen. Es sind Stimmen, die dir gerne sagen möchten, wie du mehr Geld machen kannst, wie du deinen Anteil vom Familienbesitz bekommen kannst, wie du mit der Person, die dich betrogen hat, abrechnen kannst, wie du dich gegen jene verteidigen kannst, die falsche Geschichten über dich verbreiten usw. Satans Radiostationen senden jeden Tag 24 Stunden lang Lügen, Bitterkeit und Ängste. Alles, was du tun musst, ist einen Sender einzuschalten und du kannst „empfangen", was du möchtest!

Wenn Christen klagen, dass Gott nicht zu ihnen spricht, dann nicht deswegen, weil Gott nicht spricht. Er spricht die ganze Zeit. Aber ihr Verstand ist auf diese Welt und ihre Interessen ausgerichtet. Ich bin überzeugt, dass es vieles gibt, was der Geist in der Vergangenheit gesprochen hat, was für uns bestimmt war, aber was wir nie empfangen haben, weil wir nicht im Geist waren.

Du kannst in einer Versammlung der Gemeinde sitzen und absolut nichts hören, was der Geist sagt, sogar wenn du alles verstehen magst, was der Prediger gesagt hat. Jemand, der neben dir sitzt, der „im Geist" ist, kann jedoch die Stimme des Herrn hören, so wie es Johannes tat. Johannes hörte die Stimme des Herrn so deutlich, dass er sagte, dass sie so laut wie eine Posaune war! So laut spricht Gott! Aber wer taub ist, wird sogar den Schall einer Posaune nicht hören.

Ich möchte euch alle ermahnen und herausfordern, euch jeden Tag im Geist zu bewahren - besonders in den letzten Tagen dieses Zeitalters. Bleibt gegenüber der Sünde sensibel und wandelt in Demut vor dem Angesicht Gottes, damit eure Ohren offen sein können, um zu hören, was der Herr euch zu sagen hat.

Der auferstandene Herr und die sieben Gemeinden

V. 11-20: … die sprach: Was du siehst, das schreibe in ein Buch und sende es an die sieben Gemeinden: nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamon und nach Thyatira und nach Sardes und nach Philadelphia und nach Laodizea. Und ich wandte mich um, zu sehen nach der Stimme, die mit mir redete. Und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter und mitten unter den Leuchtern einen, der war einem Menschensohn gleich, angetan mit einem langen Gewand und gegürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel. Sein Haupt aber und sein Haar war weiß wie weiße Wolle, wie der Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme und seine Füße wie Golderz, das im Ofen glüht, und seine Stimme wie großes Wasserrauschen; und er hatte sieben Sterne in seiner rechten Hand, und aus seinem Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert, und sein Angesicht leuchtete, wie die Sonne scheint in ihrer Macht. Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie tot; und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach zu mir: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. Schreibe, was du gesehen hast und was ist und was geschehen soll danach. Das Geheimnis der sieben Sterne, die du gesehen hast in meiner rechten Hand, und der sieben goldenen Leuchter ist dies: Die sieben Sterne sind Engel der sieben Gemeinden, und die sieben Leuchter sind sieben Gemeinden.

Gott gibt uns nicht nur für uns selbst, sondern auch für andere Botschaften. Wenn Gott zu uns spricht, ist es eine gute Gewohnheit, das Gehörte niederzuschreiben, so wie es hier Johannes geboten wurde (V. 11). Sonst hätte er vergessen können, was Gott zu ihm gesprochen hatte.

In diesem Fall war die Botschaft für die sieben Gemeinden in Asien bestimmt. Was damals als Asien bekannt war, ist heute ein kleiner Teil der Türkei. Alle sieben Gemeinden lagen innerhalb eines Radius' von ca. 120 Kilometern voneinander entfernt. Aber beachte, dass sie dennoch NICHT kollektiv „Die GEMEINDE in Asien" genannt wurden, obwohl sie so nahe beieinander lagen. Sie werden „Die GEMEINDEN in Asien" genannt.

Das ist ein kleiner, aber dennoch wichtiger Punkt. „Die Gemeinde in Asien" würde bedeutet haben, dass diese Gemeinden eine Denomination [Glaubensgemeinschaft] mit einem zentralen Hauptquartier geworden waren. Aber die Bezeichnung „die Gemeinden in Asien" weist darauf hin, dass jede Gemeinde eine örtliche Gemeinde direkt unter der obersten Leitung des Herrn war.

Die Gemeinde ist ein Werk Gottes, gebaut von Christus. Aber Denominationen sind ein Werk von Menschen. All die Lehren und die Schriften der Apostel machen deutlich, dass es für jede Gemeinde der Wille Gottes ist, direkt unter der obersten Leitung Christi und nicht Teil einer Denomination zu sein.

Es gab keinen Bischof oder Superintendenten, der für diese sieben Gemeinden verantwortlich war, dem Johannes diese Briefe zur Verteilung an die Gemeinden senden konnte. Jeder Brief musste individuell an den Boten dieser Gemeinde versandt werden - denn jede Gemeinde war eine unabhängige Einheit. Der Herr hatte der Gemeinde Apostel gegeben. Johannes war selbst einer von ihnen. Aber der Herr hatte keine Bischöfe oder Superintendenten eingesetzt.

So etwas wie z.B. „Die Gemeinde in Indien" gibt es nicht. Es gibt Gemeinden in Indien, und diese werden vom Herrn an verschiedenen Orten, jede direkt unter seiner obersten Leitung, gebaut.

Satans endgültiges Ziel ist es, seine gefälschte „Weltkirche", Babylon, zu bauen. Sein erster Schritt zu diesem Ziel hin bestand darin, vor vielen Jahrhunderten Gemeinden in Denominationen zu gruppieren. Er wusste, dass die Aufgabe, Babylon zu bauen, sonst unmöglich gewesen wäre. Wir sollten in Bezug auf Satans Absichten nicht in Unkenntnis sein.

Die sieben goldenen Leuchter symbolisieren sieben Gemeinden (V. 20). Unter dem alten Bund hatte der Tempel EINEN siebenarmigen Leuchter, weil alle Stämme Israels Zweige einer „Denomination" mit ihrem zentralen Hauptquartier in Jerusalem waren.

Im neuen Bund ist es jedoch anders. Es gibt sieben verschiedene Leuchter und jeder ist vom anderen vollständig getrennt. Der Grund dafür war, wie wir vorhin gesehen haben, dass jede Gemeinde unter der obersten Leitung Christi unabhängig war, obwohl sie mit den anderen Gemeinden durch das Haupt Gemeinschaft hatte.

Dass die Gemeinde ein Leuchter genannt wird, weist darauf hin, dass ihre hauptsächliche Funktion in Gottes Augen darin besteht, Licht zu spenden. Die Tatsache, dass die Leuchter golden waren, deutet auf den göttlichen Ursprung einer wahren Gemeinde hin. Sie wird vom Herrn und nicht von Menschen gebaut.

Ein Leuchter dient nicht nur als bloße Dekoration - dasselbe gilt auch für eine Gemeinde! Das Licht, das jede Gemeinde verbreiten sollte, ist Gottes Wort, welches allein auf unserem Weg in dieser finsteren Welt ein Licht ist (Ps 119,105). Wenn so genannte Gemeinden anfangen, die Hauptbetonung auf den Betrieb von Schulen und Krankenhäusern oder auf Sozialarbeit statt auf die Verbreitung dieses Lichtes zu legen, dann können wir sicher sein, dass sie von Gottes Hauptzweck abgewichen sind.

Als Johannes sich umwandte, um zu sehen, wer mit ihm redete, sah er Jesus (V. 12-13). Aber er sah ihn inmitten der Gemeinden. Der Herr möchte sich durch die örtliche Gemeinde offenbaren und zu anderen sprechen.

Die erste in der Bibel erwähnte Wohnstätte Gottes ist der brennende Busch, den Mose in der Wüste sah (5Mo 33,16). So wie Johannes auf Patmos drehte sich auch Mose damals zur Seite, um diesen wunderbaren Anblick zu sehen. Das war der Zeitpunkt, als Gott zu ihm sprach (2Mo 3,3).

Heute ist die Gemeinde Gottes Wohnstätte. Gott wünscht sich, dass jede Gemeinde vom Heiligen Geist entflammt ist, so wie es dieser brennende Busch war. Wenn Menschen eine örtliche Gemeinde betrachten, sollten sie in der Lage sein, das Leben Christi, das sich durch die Mitglieder dieser Gemeinde offenbart, zu sehen. Dann kann Gott durch diese Gemeinde zu den Menschen sprechen.

Johannes fährt mit der Beschreibung Jesu, wie er ihn sah, fort. Obwohl der Herr auferstanden ist, wird er immer noch der „Menschensohn" genannt, wodurch die Tatsache seiner dauerhaften Identifikation mit der Menschheit betont wird.

Sein langes Gewand (zweifellos in weißer Farbe), das bis zu den Füßen reichte, verweist auf seinen hohepriesterlichen Dienst der Fürbitte für uns - denn so war der jüdische Hohepriester bekleidet, wenn er jedes Jahr am Versöhnungstag in das Allerheiligste des Tempels ging (V. 13).

Der Herr trug einen goldenen Gürtel um seine Brust (V. 13). Gold symbolisiert das Göttliche. Der Gürtel symbolisiert Gerechtigkeit und Treue (gemäß Jes 11,5). Dies betont die vollkommene Gerechtigkeit Gottes, die in Jesu irdischem Leben sichtbar wurde und die vollkommene Treue, mit der er seine Verheißungen an uns hält.

Sein Haupt und sein Haar waren weiß wie Wolle (V. 14). Daniel 7,9 verwendet dieselbe Symbolik, um auf Gottes Ewigkeit (sein unendliches Alter) hinzuweisen. Das weiße Haar verweist auch auf seine Weisheit. Dies betont die Tatsache, dass Jesus, obwohl er der Menschensohn ist, trotzdem auch der ewige Gott, vollkommenen an Weisheit, ist.

Seine Augen waren wie eine Feuerflamme (V. 14). Das bedeutet, dass vor ihm „alles bloß und aufgedeckt" ist (Hebr 4,13). Seine Augen dringen durch jede religiöse Fassade hindurch und können durch die blumige und fromme Sprache und die

„Form der Frömmigkeit" des religiösen Heuchlers hindurchschauen. Sie sehen auch über die gebrochenen, stotternden Worte der gottesfürchtigen Seele hinweg in die Aufrichtigkeit ihres Herzens. In der Folge sind seine Bewertungen völlig anders als die der Menschen.

Seine Füße waren wie Golderz [Bronze] (V. 15). Bronze war das Material, aus dem der Brandopferaltar (im Vorhof der Stiftshütte) gemacht wurde, wo das Sündopfer getötet wurde. Bronze symbolisiert daher Gottes Gericht über die Sünde des Menschen auf Golgatha. Während der Kopf der Schlange zertreten wurde, mussten die Füße Jesu am Kreuz von Nägeln durchbohrt werden (1Mo 3,15).

Seine Stimme war wie großes Wasserrauschen (V. 15). Die Ströme lebendigen Wassers symbolisieren den Heiligen Geist (Joh 7,37-39). Die Rede Jesu war immer voller Sanftmut und voller Weisheit des Heiligen Geistes.

In seiner rechten Hand hatte er sieben Sterne (V. 16). Die sieben Sterne sind die sieben Boten der Gemeinden (V. 20). Gott hat bestimmt, dass die neutestamentliche Gemeinde von einer Mehrzahl von Ältesten geleitet wird (Apg 14,23; Tit 1,5; Apg 20,17). Aber Gott rüstet gewöhnlich einen unter den Ältesten als seinen Boten mit der Gabe aus, das Wort Gottes in der Gemeinde zu verkündigen. Dieser Älteste wird hier als „der Bote [Engel] der Gemeinde" bezeichnet. (Das Wort, das mit „Engel" übersetzt wurde, ist ein griechisches Wort, das eigentlich „jemand, der Nachrichten bringt" oder „ein Bote" bedeutet).

Diese Boten wurden von Christus in seiner Hand gehalten. Das ist der Grund, warum wir den Ältesten, „die im Wort und in der Lehre arbeiten", doppelte Ehre zollen sollten (1Tim 5,17; Schlachter 2000/SLT).

Man muss jedoch erwähnen, dass heute viele Gemeindeälteste und viele, die Gottes Wort predigen, NICHT von Christus in seiner Hand gehalten werden, denn sie sind selbsternannt und nicht von ihm eingesetzt.

Ein Bote, der vom Herrn eingesetzt ist, wird ein Mann Gottes sein, der dir Vertrauen einflößt und durch dessen Leben und Dienst du ernährt, geführt und gesegnet werden wirst. Ein solcher Mann sollte respektiert werden - denn er wird vom Herrn in seiner Hand gehalten. Es gibt wenige solcher Männer in der heutigen Welt - aber Gott sei Dank gibt es einige wenige.

Gottes Diener sind spezielle Angriffsziele Satans. Daher werden sie vom Herrn besonders in seiner Hand gehalten. Solange sie in Demut dort bleiben, kann Satan sie nicht antasten. Aber wenn sie aufgebläht sind oder wenn sie sündigen und nicht Buße tun, dann lässt Gott zu, dass Satan ihnen auf verschiedene Weise Schaden zufügt, damit sie zur Buße gelangen. Es ist ein gewaltiges Privileg, vom Herrn als sein Bote in seiner Hand gehalten zu werden. Aber es bringt auch Ehrfurcht gebietende Verantwortungen mit sich.

Aus Jesu Mund ging ein scharfes zweischneidiges Schwert (V. 16). Das bezieht sich auf das Wort Gottes, das er ausspricht (Hebr 4,12). Wir bemerkten in Vers 15, dass seine Stimme wie großes Wasserrauschen war. Wenn man diese beiden Verse zusammenfügt, so weisen sie darauf hin, dass Jesus stets Gottes Wort in der Kraft des Heiligen Geistes spricht. Er spricht mit großer Sanftmut, aber er tadelt auch kräftig, wenn dies notwendig ist.

Sein Angesicht leuchtete wie die Sonne in ihrer Macht (V. 16). So sahen ihn Petrus, Jakobus und Johannes auch am Berg der Verklärung (Mt 17,2). Das symbolisiert das „unzugängliche Licht", in dem Gott wohnt (1Tim 6,16). Die Heiligkeit Gottes wird hier mit der Mittagssonne verglichen, in die wir nicht direkt schauen können. Die Sonne ist ein Feuerball, in dem keine Keime oder Bakterien wohnen können. Auch keine Sünde kann in der Gegenwart Gottes wohnen (Jes 33,14).

Zu den Füßen des Herrn

Derselbe Johannes, der sich beim letzten Abendmahl an die Brust Jesu gelehnt hatte, fällt jetzt wie ein toter Mann zu seinen Füßen (V. 17). Johannes war 65 Jahre lang mit dem Herrn gewandelt. Er war zu der Zeit zweifellos der heiligste Mensch auf Erden. Doch er konnte in der Gegenwart des Herrn nicht aufrecht stehen. Diejenigen, die den Herrn am besten kennen, zollen ihm die größte Verehrung. Jene, die ihn am wenigsten kennen, tun so, als ob sie eine billige Vertrautheit mit ihm hätten.

Die himmlischen Serafin bedeckten ihr Angesicht vor dem Herrn (Jes 6,2-3). Hiob und Jesaja sahen ihre Sündhaftigkeit und trauerten, als sie die Herrlichkeit Gottes sahen (Hi 42,5-6; Jes 6,5). Aber „Toren treten eilig ein, wo Engel sich einzutreten fürchten"! Von solcher Art ist die Torheit des fleischlichen Christen.

Je mehr wir den Herrn kennen, desto mehr werden wir in anbetendem Staunen zu seinen Füßen niederfallen. Nur wenn wir ständig die Herrlichkeit des Herrn sehen, werden wir unsere eigene mangelnde Christusähnlichkeit sehen. Nur dann werden wir aufhören, andere zu richten und anfangen, uns selbst zu richten. Und nur dann werden wir seine Berührung erfahren, so wie sie Johannes auf Patmos erfahren hat.

Jesus legte seine rechte Hand auf Johannes (V. 17). Das symbolisierte Ausrüstung mit Kraft und Autorität. Er trug Johannes auf, sich nicht zu fürchten.

„Fürchte dich nicht" und „Folge mir nach" sind die beiden am häufigsten wiederholten Aussagen Jesu in den Evangelien. Er richtet heute dieselben Worte an uns.

Jesus sagte Johannes ferner, dass er der Erste und der Letzte war - derselbe Titel, der vom Vater früher verwendet wurde (V. 8). Er kennt das Ende von Anfang an, und er selbst besteht vor dem Anfang und nach dem Ende. Daher brauchen wir uns niemals zu fürchten.

Jesus sagt dann zu Johannes, wie er den Tod und das Grab überwunden und nun die Schlüssel des Todes und der Hölle (Hades - der Ort, wo die Geister der Verstorbenen sind) in seiner Hand hat (V. 18). Schlüssel symbolisieren die Macht, Türen zu öffnen und zu schließen. Einst war es Satan, der die Macht über den Tod

hatte (Hebr 2,14-15). Aber als Jesus starb und wieder auferstand, nahm er Satan diese Schlüssel weg.

Heute hat Jesus die Schlüssel des Todes und der Hölle. Das bedeutet, wenn du ein voll hingegebener Jünger Jesu bist und danach trachtest, in deinem Leben allein Gottes Willen zu tun, kannst du nicht vor Gottes festgesetzter Zeit sterben. Kein Unfall oder keine Krankheit kann dein Leben fordern, bis Jesus entscheidet, dass es Zeit für dich ist, die Tür des Todes zu öffnen, um durch sie hindurch in seine Gegenwart zu kommen. Das ist für alle, die echte Jünger Jesu sind, eine enorme Ermutigung.

Johannes mag auf Patmos von Menschen verfolgt worden sein. Aber sie konnten ihn nicht töten, bis Gottes Zeit für ihn gekommen war. Der Herr hatte für Johannes noch immer einen Dienst zu erfüllen.

Johannes wird nun vom Herrn mit einer neuen Aufgabe bevollmächtigt und betraut

- dieses wunderbare Buch der Offenbarung zu schreiben (V. 19). Wir müssen vom Herrn immer wieder bevollmächtigt werden, wenn wir unseren Dienst triumphierend vollenden wollen.

Die dreiteilige Aufteilung der „Offenbarung"

In Vers 19 gibt der Herr Johannes die dreifache Aufteilung des Buches:

(i) Was Johannes bereits gesehen hat (Kapitel 1) - die Vision eines triumphierenden Herrn Jesus, der sagt: „Fürchte dich nicht". Furcht hat absolut keinen Platz im Herzen eines Jüngers, der die Herrlichkeit des Herrn gesehen hat.

(ii) Die Situation zur Zeit des Johannes (Kapitel 2 und 3) - eine Bezugnahme auf die sieben Gemeinden in Kleinasien. Die Botschaften des Herrn an diese sieben Gemeinden sind eine Warnung und eine Herausforderung für alle Gemeinden und an ihre „Boten" zu allen Zeiten.

(iii) Ereignisse, die von Johannes' Zeit aus gesehen in der Zukunft lagen (Kapitel 4 bis

22) - der Ausdruck „danach", der hier verwendet wird, wird erneut in Kapitel 4,1 benutzt, ein Hinweis darauf, dass der dritte Teil des Buches dort beginnt.

Der Herr erklärt dann Johannes die Bedeutung der Leuchter und der Sterne (V. 20). Wir haben diese studiert, als wir uns die Verse 12 und 16 angeschaut haben.

Nur der Herr kann uns Offenbarung über die Geheimnisse seines Wortes geben. Um eine solche Offenbarung zu empfangen, brauchen wir zwei unverzichtbare Eigenschaften - die Furcht Gottes und Demut. „Der Herr ist denen Freund, die ihn fürchten; und seinen Bund lässt er sie wissen … Er leitet die Elenden recht und lehrt die Elenden seinen Weg" (Ps 25,14.9).

Lasst uns dieses Buch daher in diesem Geist studieren.

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