Das volle Evangelium

Autor :   Zac Poonen

Kapitel 1
Das volle Evangelium

„Denn ich habe es nicht unterlassen, euch den ganzen Ratschluss Gottes [das volle Evangelium] Gottes zu verkündigen" (Apg 20,27).

Der Apostel Paulus verbrachte drei Jahre in Ephesus, in denen er Tag und Nacht predigte (Apg 20,31). Was hat er gepredigt?

Den unbekehrten Heiden predigte er die Umkehr [Buße] zu Gott und den Glauben an den Herrn Jesus Christus (Apg 20,21). Aber jenen, die gläubig geworden waren, predigte er den „ganzen Ratschluss Gottes" (Apg 20,27).

Heute predigen die meisten Prediger nur „Glaube" - und dazu noch einen gefälschten -, was bei evangelistischen Veranstaltungen zu vielen geistlichen

„Fehlgeburten" geführt hat, was eine große Menge von halbherzigen „Gläubigen" hervorbrachte, die sich nie von ihren Sünden abgewandt haben, sondern die nur zu Jesus kommen wollen, um „gesegnet" zu werden.

Einige Prediger orientieren sich jedoch mehr an der Heiligen Schrift und predigen, dass Buße dem Glauben vorausgehen muss - so wie es Paulus tat.

Aber Paulus hat selbst dort nicht aufgehört. Er ging weiter und predigte das volle Evangelium der Gnade (Apg 20,24).

Viele meinen, dass sie das „volle Evangelium" erfahren haben, wenn sie Jesus als Erlöser UND Täufer im Heiligen Geist erfahren haben.

Aber in Hebräer 6,1-2 lesen wir, dass dies nur der Beginn des christlichen Lebens ist: „Die grundlegenden Lehren über Christus - das Fundament von

Buße und Glauben (d.h. die Vergebung der Sünden - Jesus als Erlöser zu kennen),

Taufe und Händeauflegen (d.h. die Wassertaufe und die Taufe im Heiligen Geist - indem wir Jesus als Täufer im Heiligen Geist erkennen, der uns geistliche Gaben schenkt), und

der Auferstehung der Toten und dem ewigen Gericht (beim zweiten Kommen Christi)."

Das ist die Milch, die neugeborene Babys in Christus zuerst trinken müssen (Hebr 5,13). Aber weil die meisten Christen ihr ganzes Leben lang Babys bleiben, gehen sie nie weiter, um die feste Speise des vollen Evangeliums zu erfahren.

Von solcher Art waren die hebräischen Christen und die Christen in Korinth.

Paulus schrieb den Christen in Korinth Folgendes: „Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten" (1Kor 2,2).

Warum konnte er ihnen nicht irgendetwas sagen, das über die Tatsache, dass Christus für ihre Sünden gestorben und von den Toten auferstanden war, hinausging (1Kor 15,1-4)?

Er erklärt den Grund dafür in 1. Korinther 3,2: Weil sie unmündige Kinder waren, die nicht in der Lage waren, feste Speise zu verdauen. Sie hatten nicht einmal auf die grundlegende Wahrheit, die ihnen gelehrt worden war, ausreichend reagiert. Und so blieben sie fleischlich und von Streit, Eifersucht, parteiischer Gesinnung usw. besiegt.

Wenn Menschen Babys sind, können wir sie nicht mehr lehren als „Jesus Christus, den Gekreuzigten". Daher bleiben solche Christen fleischlich.

„Aber", sagt Paulus den „Babys" in Korinth: „Wovon wir aber reden, das ist dennoch Weisheit bei den Vollkommenen (d.h. unter denen in anderen Gemeinden, die feste Speise essen konnten) … die verborgene Weisheit Gottes, die Gott vor aller Zeit zu unserer Herrlichkeit vorherbestimmt hat (1Kor 2,6-7).

Die Gemeinde in Ephesus war eine solche Gemeinde, wo Paulus das volle Evangelium predigen konnte.

Was ist das volle Evangelium?

Wir können uns die alttestamentliche Stiftshütte anschauen und von dort einige diesbezügliche Lektionen lernen.

Die Stiftshütte war ein von Gott gegebenes Symbol für seine Wohnstätte. In ihrer Symbolik können wir sehen, was das volle Evangelium ist und wie wir in die Freude von Gottes Gegenwart und in seinen vollen Zweck für unser Leben eintreten können.

Die Stiftshütte bestand aus drei Teilen - dem Vorhof, dem Heiligen und dem Allerheiligsten -, welche drei Teile des vollen Evangeliums darstellen.

Der erste Teil des Evangeliums - Jesus, unser Erlöser

Im Vorhof befanden sich der Brandopferaltar und das kupferne Becken (zum Waschen). Der Altar repräsentiert die Botschaft, dass „Christus für unsere Sünden gekreuzigt wurde". Das Becken stellt die äußerliche Reinigung unseres Lebens (Hebr 10,22) und das Bad der Wiedergeburt dar (1Tim 3,5), die wir bei der Wassertaufe bezeugen (Apg 22,16).

Das ist die erste Phase des christlichen Lebens, wo eine Person Buße tut und auf Jesus Christus als ihren Erlöser vertraut - der die Strafe für ihre Sünden trug - und dann in Wasser getauft wird.

Der zweite Teil des Evangeliums - Jesus, unser Täufer

Während der Vorhof für alle Israeliten offen war (aber nicht für die Heiden), war das Heilige nur für die Priester offen - für jene, die mit dem Dienst des Herrn beschäftigt waren.

Im Alten Testament war die „Salbung mit dem Heiligen Geist" das wichtigste Erfordernis, um dem Herrn zu dienen - sei es nun als Prophet, Priester oder König. Keine menschliche Qualifikation konnte ein Ersatz für diese Salbung sein. Sogar Jesus konnte nicht in sein öffentliches Wirken treten, ohne zuerst mit dem Heiligen Geist gesalbt zu werden. Der Herr möchte seine Kinder vom „Vorhof" in diesen Bereich führen - zur Salbung des Heiligen Geistes und zur Ausübung der geistlichen Gaben für seinen Dienst.

Das Heilige beinhaltete drei Gegenstände:

(1) den Leuchter - der die Salbung symbolisiert, die uns Kraft gibt, Zeugen für Christus zu sein (Apg 1,8).

(2) den Tisch für die Schaubrote - der die Salbung symbolisiert, die uns Offenbarung über das Gottes Wort gibt (2Kor 3,18).

(3) den Räucheraltar - der die Salbung symbolisiert, die uns Kraft für das Gebet gibt (Röm 8,26-27).

So weit zu kommen bedeutete, die zweite Phase des christlichen Lebens zu erreichen - indem jemand nicht nur die Vergebung der Sünden und die Wassertaufe, sondern auch die Taufe im Heiligen Geist empfängt.

Der dritte Teil des Evangeliums - Jesus, unser Vorläufer

Das Allerheiligste war der Ort, wo die Herrlichkeit Gottes in der Stiftshütte wohnte. Wie das neue Jerusalem (das die Kirche symbolisiert), war auch dieses ein exakter Würfel: „Die Länge und die Breite und die Höhe der Stadt sind gleich" (Offb 21,16).

Keiner Person - nicht einmal einem Priester - war es erlaubt, in das Allerheiligste zu gehen. Sogar der Hohepriester konnte nur einmal im Jahr hineingehen, um die Sünden des Volkes zu sühnen. Dies hob die Tatsache hervor, dass der Weg in die unmittelbare Gegenwart Gottes nach wie vor für keinen Menschen offen war (Hebr 9,8).

Wir lernen daraus, dass sogar die besten alttestamentlichen Heiligen im Hinblick auf ihre geistliche Erfahrung nicht weiter als bis ins Heilige gehen konnten.

Johannes der Täufer war die größte, von einer Frau geborene Person bis zur Geburt Jesu. Er war größer als Maria, wie Jesus in Matthäus 11,11 sagte. Doch Jesus fuhr mit den Worten fort, dass der Geringste, der ins Reich Gottes eingeht, größer als selbst Johannes der Täufer sein würde. Warum?

Alttestamentliche Heilige konnten von Gott eine Anzahl von Segnungen empfangen. Sie konnten Vergebung der Sünden empfangen (wie sie David empfing - siehe Ps 103,3) und durch den Glauben gerechtfertigt werden (wie Abraham - siehe 1Mo 15,6; Röm 4,2-3). Sie konnten auch zu einer äußerlichen Gerechtigkeit des Lebens kommen (wie Zacharias und Elisabeth - Lk 1,6) und mit dem Geist für den Dienst gesalbt werden (wie Gideon und Elisa - Ri 6,34; 2Ko 2,9-15).

Mit anderen Worten, sie konnten in den Vorhof und sogar in das Heilige kommen. Aber als sie zum Vorhang kamen, der das Allerheiligste abtrennte, konnten sie nicht weiter gehen. Sie konnten nicht an Gottes Natur teilhaben.

Unter dem neuen Bund wurde für uns jedoch der Weg geöffnet, direkt durch den Vorhang hindurch in das Allerheiligste zu gehen. Wir lesen in Hebräer 10,19-20 dass wir nun „durch das Blut Jesu die Freiheit haben zum Eintritt in das Heiligtum [Allerheiligste], den er uns aufgetan hat als neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang, das ist: durch das Opfer seines Leibes".

Der Tempel in Jerusalem (der nach dem Muster der Stiftshütte gebaut wurde) hatte ebenfalls einen Vorhang zwischen dem Heiligen und dem Allerheiligsten. Dieser wurde von oben bis unten zerrissen, als Jesus am Kreuz von Golgatha starb (Mt 27,50-51). Dies kennzeichnete ein vollendetes Werk, das Jesus in seinem Fleisch vollbracht hat.

Das Geheimnis eines gottesfürchtigen Lebens (so wird uns in 1Tim 3,16 gesagt) liegt in der Erkenntnis, dass Jesus in das Fleisch kam und seinen Geist rein und unbefleckt hielt. Auf diese Weise wurde für uns der Weg zum Eintritt in das Allerheiligste geöffnet.

Der Eigenwille des Menschen ist der dicke „Vorhang", der die Gegenwart Gottes vor ihm versperrt. Jesus verleugnete während seines irdischen Lebens die ganze Zeit seinen eigenen Willen. Auf diese Weise hielt er seinen Geist rein. Auch wir können in derselben Weise wandeln, wenn wir „das Fleisch (den eigenen Willen) samt seinen Leidenschaften und Begierden kreuzigen" (Gal 5,24). Wir können dann allezeit im Allerheiligsten wohnen, so wie es Jesus tat.

Als der Apostel den Hebräern schrieb und Milch und feste Speise verglich (Hebr 5,13-14), sagte er ihnen, dass die Wahrheit („feste Speise") „schwer zu erklären" war

(V. 11). Diese Wahrheit bezog sich auf Christus in den Tagen seines Fleisches (wie der Kontext in Hebr 5,7-10 deutlich zeigt), als er mit lautem Schreien und Tränen betete, litt, gehorchte und vollkommen gemacht wurde.

Genauso wie es für viele Gläubige im ersten Jahrhundert schwer war, diese Wahrheit anzunehmen, ist es auch heute für die meisten Christen schwer, sie anzunehmen. Der Grund ist derselbe - weil sie „harthörig" geworden sind (Hebr 5,11). Sie sind harthörig geworden, weil sie mit ihrem minderwertigen, besiegten Zustand zufrieden sind.

Aber Gott schenkt jenen Menschen Offenbarung, die nach einem rechtschaffenen Leben hungern und dürsten. Das Geheimnis des Herrn wird in die Ohren derer geflüstert, die ihn fürchten (Ps 25,14). Daher finden sie das Geheimnis der Vollkommenheit.

Im Allerheiligsten können wir die Erfüllung der von Gottes Gesetz geforderten Gerechtigkeit haben (Röm 8,3-4). Wir können an der göttlichen Natur teilhaben. Gott ist Liebe und die gerechte Forderung des Gesetzes kann in einem Wort zusammengefasst werden: LIEBE - d.h. dass wir den Herrn von ganzem Herzen lieben und unseren Nächsten lieben wie uns selbst.

„Frömmigkeit" [Gottseligkeit] oder Teilhaber der göttlichen Natur der LIEBE zu werden war für Menschen unter dem alten Bund unmöglich, weil damals der Heilige Geist nicht in den Herzen der Menschen wohnen konnte. Aber das ist jetzt möglich. Das ist die kostbare Perle, für die wir alle anderen Perlen aufgeben müssen, um sie zu besitzen.

Gott ist Liebe und „wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm" (1Joh 4,16). Wer nicht in Liebe lebt, kann nicht in Gottes Gegenwart leben. Die Bibel sagt, dass „Liebe so stark wie der Tod ist" (Hl 8,6). Das bedeutet, dass, so wie der Tod niemanden verschont, sondern über alle Menschen kommt, so kommt auch Gottes Liebe über alle Menschen. Im neuen Bund könnten wir sagen, dass dort, wo der Tod von Jesus besiegt worden ist, „die göttliche Liebe stärker als der Tod ist". Die Liebe Gottes, die durch Jesus manifestiert wurde, konnte durch all den Hass, die Bosheit und Bitterkeit (geistlicher Tod), die Jesus während seines irdischen Lebens entgegengeschleudert wurden, nicht überwunden werden. Das Licht der Liebe Gottes schien in der Finsternis und die Finsternis konnte es nicht bezwingen.

Nur wenn unser Eigenwille durch die Kraft des Heiligen Geistes gekreuzigt wird, können wir im Allerheiligsten wohnen und alle Menschen mit göttlicher Liebe lieben.

Bei den meisten Gläubigen (sogar bei vielen, die Heiligkeit predigen) ist ihre Liebe auf Personen in ihrer eigenen Gruppe beschränkt. Sie mögen niemals schlecht über jemanden in ihrer eigenen Gruppe reden, aber sie fühlen sich ziemlich frei , schlecht über andere Gläubige zu reden und Schlechtes über sie zu hören . Prüfe dich selbst, lieber Leser, und sieh, ob dies nicht auf dein eigenes Leben zutrifft. Solche „Liebe" ist eine menschliche, keine göttliche Liebe. Wenn Gläubige mit einer solchen exklusiven „Ghetto-Mentalität" zufrieden sind, kommen sie niemals weiter.

Jesus kam, um uns sowohl gut als auch liebevoll wie den Vater zu machen, der seine Sonne über alle Menschen aufgehen lässt - ohne Rücksicht darauf, wie ihre Einstellung zu ihm ist.

Jesus wurde in allem versucht wie wir (Hebr 4,15). Mit anderen Worten, er wurde auf vielerlei Weise versucht, seinen eigenen Willen zu tun und sich selbst zu gefallen. Während der 33 ½ Jahre auf Erden nahm Gott seinen Sohn durch die ganze Bandbreite von Versuchungen, die menschenmöglich sind. Und Jesus hat jede einzelne von ihnen triumphierend bestanden. Kein einziges Mal gab er seinem Eigenwillen nach. Daher sündigte er kein einziges Mal in Gedanken, Worten, Taten,

Einstellungen und Motiven. Der Eigenwillen wird nur dann zur Sünde, wenn man ihm nachgibt.

Das ist die „Erziehung", die Jesus während seines irdischen Lebens durchmachte: Er lernte Gehorsam, wenn Gehorsam Leiden bedeutete (Hebr 5,8). Und das Leiden, auf das hier Bezug genommen wird, ist das Leiden, das aus der Verleugnung des eigenen Willens herrührte.

Das Gegenteil von Leiden ist Vergnügen. Es gibt zwei Optionen, die wir jedes Mal, wenn wir versucht werden, haben - entweder wir erfreuen uns an dem Vergnügen, das zu tun, was uns gefällt oder wir leiden, indem wir unseren Eigenwillen in den Tod geben. Jesus entschied sich, ständig zu leiden. „Er hatte nie an sich selbst Gefallen" (Röm 15,3).

Bis zu dem Zeitpunkt, als Jesus am Kreuz starb, war er durch die ganze Bandbreite von Versuchungen gegangen, die menschenmöglich sind und hatte jede einzelne erfolgreich bestanden. Am Vorabend seiner Kreuzigung konnte er sagen: „Vater, ich habe das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, dass ich es tue" (Joh 17,4). Und mit der Vollendung seines Opfers am Kreuz wurde der Vorhang zerrissen. Der Weg in das Allerheiligste war endlich offen.

In 2. Korinther 4,10 heißt es, dass „wir allezeit das Sterben Jesu an unserem Leibe tragen, damit auch das Leben Jesu an unserem Leibe offenbar werde". Was bedeutet das „Sterben Jesu" hier? Wir können keinen Anteil an dem Tod haben, den Jesus am Kreuz von Golgatha starb, wo er für die Sünden der Welt starb. Dort starb er allein. Dort zerriss er den Vorhang und öffnete für uns einen neuen und lebendigen Weg.

Wir müssen den Vorhang jetzt nicht ein zweites Mal zerreißen, denn er wurde bereits zerrissen. Der Weg in die Gegenwart Gottes ist dauerhaft geöffnet. Aber wir müssen den Weg des zerrissenen Vorhangs gehen - den Weg des Kreuzes. Wir sollen Anteil an seinem fortwährenden „Sterben" haben - indem wir unserem Eigenwillen sterben.

Jesus ist unser Vorläufer, der uns auf diesem Weg der Selbstverleugnung voranging. Durch diesen neuen und lebendigen Weg, den er für uns aufgetan hat, können wir alle Tage unseres Lebens im Allerheiligsten wohnen. Das ist keine Erfahrung, die wir ein für alle Mal machen, wie das Eintreten durch eine Tür. Es ist ein Weg, auf dem wir Tag für Tag wandeln müssen - indem wir täglich unser Kreuz auf uns nehmen.

Du kannst einen Tag im Allerheiligsten leben und am nächsten Tag wieder ins Heilige oder in den Vorhof zurückgehen, wenn du nicht aufpasst. Du kannst dich sogar außerhalb von Gottes Stiftshütte wiederfinden, wenn du nach dem Fleisch lebst (Röm 8,13). Jemand braucht nur 24 Stunden, um rückfällig zu werden und sein Herz zu verhärten. Es braucht nur 24 Stunden, um gegen jemand bitter zu werden, dem wir einst vergeben hatten. Das ist der Grund, warum uns gesagt wird, dass wir einander TÄGLICH (innerhalb jeder 24-Stunden-Periode) ermahnen sollten, um zu vermeiden, dass wir rückfällig werden. Wenn wir keinen Bruder oder keine Schwester haben, um uns täglich zu ermahnen, müssen wir Gottes Wort und dem Heiligen Geist erlauben, uns TÄGLICH zu ermahnen (Hebr 3,13).

Das volle Evangelium besteht also darin, dass „Gott das tut, was dem Gesetz unmöglich war, weil es durch das Fleisch geschwächt war" (Röm 8,3-4). Mit anderen Worten, was unter dem alten Bund nicht möglich war - nämlich den Sieg über die Sünde in unserem inneren Leben zu erlangen und an Gottes Natur teilzuhaben - ist jetzt möglich. Gott hat uns einen Weg aufgetan, um an seiner eigenen Natur der LIEBE teilhaftig zu werden.

Wenn jemand in das Allerheiligste eintritt, tritt er in die dritte Phase des christlichen Lebens ein - in die höchste Phase.

Im Allerheiligsten wohnt Gott allein. Jene, die dort wohnen, wohnen bei Gott und sind von Menschen befreit worden - befreit davon, die Ehre von Menschen oder sogar die Ehre von christlichen Leitern zu suchen. Sie wurden auch davon befreit, beleidigt zu sein, sich zu beklagen, zu murren, bitter und neidisch zu sein. Sie sind jetzt frei, andere zu lieben, so wie Jesus sie liebt, ohne Rücksicht darauf, ob ihre Liebe erwidert wird oder nicht.

Sie trachten jetzt in allem, was sie tun, allein nach Gottes Ehre - indem sie sich stärker Gottes als der Menschen bewusst sind, wenn sie beispielsweise in den Versammlungen beten und sprechen. Sie fürchten Gott und daher ist ihr inneres (verborgenes) Leben so rein wie ihr äußeres Leben.

Menschen, die dort wohnen, haben gesehen, dass alles, was in den Augen der Menschen groß und hoch ist, in Gottes Augen ein Gräuel ist. Sie erachten nun alles als Müll gegenüber der Möglichkeit, der Natur Gottes in Christus teilhaftig zu werden.

Nachdem sie in ein Leben des Sieges über die Sünde eingetreten sind, werden sie durch die Kraft Gottes vor dem Straucheln bewahrt und werden in zunehmendem Maße der Herrlichkeit Gottes teilhaftig. Sie sind stets für alles dankbar und leben in allem, was sie tun, vor Gottes Angesicht.

Menschen, die im Allerheiligsten wohnen, empfangen durch Gottes Licht zunehmende Einsicht in das, was bloß seelisch (menschlich) und was wirklich geistlich (göttlich) ist.

Es gibt einen großen Unterschied dazwischen, Jesus nachzuahmen und an seiner Natur teilzuhaben. Wenn wir ihn nachahmen, ist das Leben ein ständiger Kampf. Aber wenn wir seiner Natur teilhaftig werden, kommen wir zur Ruhe.

Wir alle wissen, wie leicht es für die Kinder Adams ist, zu hassen, Lügen zu erzählen, nach Frauen zu gelüsten, die Ehre von Menschen zu suchen, Geld zu lieben, selbstsüchtig und stolz zu sein - weil das unsere Natur war. Wenn wir an der göttlichen Natur teilhaben, kann es für uns genauso leicht werden zu lieben, die Wahrheit zu sagen, geduldig, rein, großzügig, selbstlos und demütig zu sein und die Ehre Gottes zu suchen.

Es ist für eine Katze einfach, ihren Körper abzulecken und ihn allezeit sauber zu halten. Das ist für eine Katze keine Strapaze, weil das ihre Natur ist. Aber für ein Schwein würde das - das Nachahmen der Katze - eine ständige Strapaze sein. Das veranschaulicht den Unterschied zwischen der Teilhabe an einer Natur und dem Versuch, sie nachzuahmen.

Gott gibt uns sein eigenes Leben - „das Leben Jesu" (2Kor 4,10). Daher können wir an Gottes Güte teilhaben, welche seine Herrlichkeit ist. Dann wird es für uns keine Strapaze sein, gegenüber denen, die zu uns böse sind, gut zu sein oder denen zu vergeben, die gegen uns sündigen. Wir können in diesem göttlichen Prozess bis zum Ende unseres Lebens fortfahren, genauso wie sich eine Katze bis zum Ende ihres Lebens durch Ablecken sauber hält.

Das Allerheiligste ist auch der Ort, wo Menschen miteinander zu einem funktionierenden Leib geformt werden (im Gegensatz zu einer bloßen Versammlung). Im Allerheiligsten gibt es keinen Individualismus. Keiner lebt für sich selbst. Jeder, der dort lebt, ist ein fortwährendes Opfer und daher ist Gott in der Lage, alle solchen Brüder und Schwestern an einem Ort zu einem funktionierenden Leib Christi mit geistlicher Autorität zu formen. Es sind die Menschen, die dort leben, von denen Jesus sprach, dass sie „eins werden" und

Autorität haben, um alles, was sie vom Vater erbitten, zu empfangen, und die die Macht Satans nach Belieben binden können (Mt 18,18-20).

In jeder Versammlung von Christen wohnt die überwältigende Mehrheit im Vorhof - sie haben auf ein Drittel des Evangeliums reagiert. Einige gehen weiter ins Heilige - sie wurden mit dem Heiligen Geist gesalbt. Diese beiden haben auf zwei Drittel des Evangeliums reagiert. Aber die geistliche Autorität und Wirksamkeit dieser Gemeinde (soweit es Gott betrifft) wird im Hinblick auf die Anzahl derer, die ins Allerheiligste eingetreten sind, gemessen (jene, die auf das volle Evangelium reagiert haben).

Satan fürchtet nur jene, die durch den Vorhang hindurch in das Allerheiligste gegangen sind. Das ist der Grund, warum er die Gläubigen für das volle Evangelium blind gemacht hat.

Nur wenn es in einer Gemeinde einen zentralen Kern von Menschen gibt, die fortwährend im Allerheiligsten leben, kann diese Gemeinde von den Mächten des geistlichen Todes rein gehalten und auf dem Weg des Lebens bewahrt werden.

Die Braut Christi wird mit ihrem Bräutigam ein Fleisch: „Und die zwei werden ein Fleisch sein. Dies Geheimnis ist groß; ich deute es aber auf Christus und die Gemeinde" (Eph 5,31-32).

Gib dich also nicht mit weniger als Gottes Höchstem für dein Leben zufrieden. Tue jeder Sünde, die dir im Wege steht und auch all den Traditionen und Meinungen von Menschen Gewalt an, die dich daran hindern, dich nach dem Ort auszustrecken, den Jesus eingeführt und für dich aufgetan hat.

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