„Was der Herr für mich getan hat“ – Zeugnis von Annie Poonen

Autor :   Zac Poonen
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Ich möchte Gott alle Ehre für all die wunderbaren Dinge geben, die der Herr in meinem Leben getan hat. Gott gab mir die Gnade, in einem guten christlichen Elternhaus aufzuwachsen. Ich war die älteste von neun Kindern. Schon sehr früh im Leben lehrten mich meine Eltern, Jesus als meinen Retter anzunehmen. Ich habe den Herrn häufig gebeten, in mein Herz zu kommen. Aber ich war nie sicher, ob Er wirklich gekommen war. Ich betete darüber und fragte Ihn ­ und dann vergaß ich diesen Punkt wieder. Aber dann kam ein Tag, als ich Gewissheit hatte, dass Jesus in mein Herz gekommen und mich aus dem Reich der Finsternis heraus und in Sein Reich des Lichts gebracht hatte. Im Nachfolgenden beschreibe ich, wie dies geschah.


Meine Bekehrung Ich war 14 Jahre alt und meine Mutter war damals mit meinem jüngsten Bruder schwanger. Wir hatten einen Mann angestellt, der für uns kochte, da meine Mutter zu Hause die ganze Arbeit nicht selber schaffen konnte. Dieser Mann tat eines Tages, ohne dass wir davon wussten, etwas Gift in das Essen. Ich denke, er wollte uns alle in ein Koma versetzen, damit er aus unserem Haus Sachen stehlen konnte.


Da ich die älteste Tochter war, habe ich das Essen für alle serviert. Aber an diesem Tag weigerten sich alle, das Essen zu sich zu nehmen, da es schlecht schmeckte, wie sie sagten. Ich aß jedoch ein bisschen davon. Ich erinnere mich, dass ich an diesem Abend großen Durst verspürte, aber ich habe keinerlei Erinnerung daran, was danach geschah. Meine Familie sagte mir, dass ich am nächsten Tag zur Schule ging, mich aber in der Schule auf eine verrückte Weise verhielt. Ich war stets eine ruhige Schülerin gewesen, aber an diesem Tag war ich sehr schwierig. Als die Schule zu Ende war, gingen mein Bruder und meine Schwester gemeinsam mit mir nach Hause. Sie sagten mir später, dass ich sie geschlagen und mich auf dem ganzen Heimweg schlecht benommen hätte. Als ich nach Hause kam, fuhr ich fort, dort Schwierigkeiten zu bereiten. Meine Eltern dachten, ich hätte ein psychisches Problem entwickelt. Daher riefen sie einen Arzt. Er sagte, dass dieses Verhalten durch eine Lebensmittelvergiftung, auf Grund von giftigen Keimen namens ,,Datura", verursacht wurde. Meine Eltern untersuchten dann sämtliche Lebensmittel im Hause, um die Ursache herauszufinden und sie fanden einige der Keime in einer Essigbrühe. Zu der Zeit hatte der Koch das Haus bereits ohne jede Warnung verlassen.


Daraufhin schlief ich viele Stunden lang ­ ich erinnere nicht mehr, wie lange. Der Arzt pumpte meinen Magen aus und tat alles, was er für mich tun konnte. Aber ich war immer noch in einem Koma. Durch Gottes Gnade und Barmherzigkeit erholte ich mich nach einer Woche. Meine Familie erzählte mir dann alles, was passiert war. Zu der Zeit fing ich an, ernstlich über den Tod nachzudenken.


Der Arzt hatte gesagt, dass ich gestorben wäre, wenn ich bloß ein wenig mehr von diesem Gift genommen hätte. Ich wusste, wenn ich damals gestorben wäre, wäre ich direkt in die Hölle gekommen. Ich hatte es nicht verdient, in den Himmel zu kommen, weil ich meinen Eltern oft nicht gehorcht hatte. Daher entschied ich mich, sicherzustellen, dass ich bereit war, dem Herrn zu begegnen. Ich betete erneut, dass Jesus in mein Herz kommen und mir meine Sünden vergeben möge. Erneut passierte nichts ­ sogar nachdem ich eine Zeitlang gebetet hatte. Ich dachte, dass ich nie Sicherheit darüber erlangen würde, ein Kind Gottes zu sein.


Aber in jener Nacht spürte ich, dass der Herr mich in meinem Geist anhielt, mit dem Beten nicht aufzuhören. Ich war verzweifelt. Ich wollte Gewissheit haben, dass ich ein Kind Gottes geworden war und nicht mehr länger in Zweifel darüber leben.


So fuhr ich mit dem Gebet fort. Die große Uhr im Haus schlug zu Mitternacht ­ und dann um 1 Uhr nachts. Alle anderen im Hause waren am Schlafen, aber ich war wach und betete. Ich fing an, im Herzen still einige Lieder zu singen und sagte mir selber einige Bibelverse auf. Ungefähr um 3 Uhr morgens spürte ich eine Woge von Freude in mir ­ und Friede erfüllte mein Herz. Gott versicherte mir dann, dass Er mich von meinen Sünden gereinigt hatte, dass ich jetzt Sein Kind war, dass Er mich innig liebte und dass Er einen Plan für mein Leben hatte. Diese Gewissheit hat mich seit jenem Tag nicht mehr verlassen.


In jener Nacht lernte ich zwei Dinge ganz klar: Erstens, jedes Mal, wenn ich für irgendetwas bete, darf ich mit dem Beten nicht aufhören, bis ich von Gott eine Antwort erhalte. Jedes Mal, wenn ich danach Problemen begegnete, erinnerte mich Gott stets daran: ,,HÖRE MIT DEM GEBET NICHT AUF, BIS DU EINE ANTWORT BEKOMMST". Zweitens versicherte mir der Herr, dass Er mich tatsächlich aus dem Reich der Finsternis errettet und mich in das Reich des LICHTS gebracht hatte.


Seither habe ich niemals mehr daran gezweifelt, dass ich Sein Kind bin.


Ich bin Gott so dankbar, dass Er mein Leben verschont hat und dass ich nicht als Kind gestorben bin. Gott war gut zu mir und hat mir so viele Jahre geschenkt, um für Ihn zu leben. Der nächste Schritt, den Gott mir zeigte, war die Wassertaufe. Seit diesem Zeitpunkt hat Gott mir viele Menschen über den Weg geschickt, die mir geholfen haben, in meinem geistlichen Leben zu wachsen. Eine von ihnen war eine sehr gottesfürchtige Sonntagsschullehrerin.


Bald nach diesem Ereignis beendete ich die Schule. Ich bat dann den Herrn, mir zu zeigen, was ich nach Seinem Willen im Leben tun sollte. Ich hatte in 2. Korinther 5,15 gelesen, dass Christus gestorben war, damit wir nie mehr für uns selber, sondern allein für Ihn leben sollten. Ich war vom Tode und von der Hölle errettet worden. Ich traf damals die Entscheidung, dass ich fortan nur für Christus leben würde.


Meine Arbeit mit Leprakranken Zu der Zeit traf ich einige amerikanische Missionarinnen, die in einem Lepra- Krankenhaus in Kothara ­ einem kleinen Dorf in Maharashtra ­ arbeiteten. Eine von ihnen war eine sehr schöne Dame Anfang vierzig. Sie war im Alter von 27 nach Indien gekommen und hatte 15 Jahre als Krankenschwester gearbeitet, indem sie in diesem Krankenhaus Leprakranke betreute. Ich war erstaunt, dass eine junge Dame den weiten Weg von Amerika nehmen würde, einfach um unseren Leuten in Indien zu helfen und sie zu Christus zu führen. Ihre Hingabe forderte mich heraus und ich fühlte, dass ich ihr helfen sollte. (Ich erinnere mich an ein Buch über einen belgischen Priester namens Vater Damien, das mein Vater uns als Kinder vorgelesen hatte, der im 19. Jahrhundert nach Hawaii gegangen war, um sich um Menschen zu kümmern, die an Lepra erkrankt waren. Die Stimme meines Vaters stockte, als er uns sagte, dass sich dieser Damien schließlich selber Lepra zuzog und in Hawaii starb.) Als ich 16 Jahre alt war, entschied ich mich, 2400 Kilometer weg von zu Hause zu diesem Lepra-Krankenhaus zu reisen. Ich blieb dort zwei Wochen. Als ich den Krankenschwestern dort half, spürte ich ein großes Verlangen in mir, für diese kranken Menschen zu sorgen. Zu der Zeit litten viele Menschen in Indien an Lepra und kaum jemand wollte ihnen helfen. Leute würden sich ihnen nicht einmal nähern wollen, weil sie mit ihren Missbildungen so abstoßend aussahen. Ihre Verwandten brachten sie ins Krankenhaus, ließen sie dort und wollten sie nicht zurückhaben. Dieses Dorf war ein abgelegener Ort, voller Kobras, wo niemand leben wollte. Daher brachten die Leute alle, die an Lepra erkrankt waren, in dieses Dorf und ließen sie dort. Nun hielten nicht einmal die Busse in diesem Ort.


Am ersten Morgen nahm ich an einem Gebetstreffen im Krankenhaus teil. Einige Leprakranke, die Jesus als ihren Retter angenommen hatten, hatten sich zum Gebet versammelt. Als ich ihre Gesichter sah, fühlte ich einen Ekel in mir und auch eine Angst, dass ich mir Aussatz zuziehen könnte. Dann hörte ich sie in der Marathi-Sprache (die ich nicht verstand) singen. Als sie den Herrn mit ihren Stimmen, die von ihrer Krankheit gezeichnet waren, priesen, begann der Herr zu mir zu sprechen. Ich dachte daran, wie Jesus für einen Sünder wie mich in die Welt gekommen war; und meine Sünden waren viel schlimmer als Lepra. Jesus hatte auch zugelassen, dass andere ihm so sehr ins Gesicht schlugen, dass es entstellt wurde ­ um meinetwillen. Gott brach mich damals und schüttete eine solche Liebe in mein Herz für diese armen Frauen aus, dass ich am liebsten jede von ihnen umarmt hätte. Ich empfand sie nicht länger als hässlich oder abstoßend. Ich sagte: ,,Herr, hier bin ich. Gebrauche mich, um diesen Menschen zu helfen." Nur Gott konnte ein solches Werk der Verwandlung in mir getan haben. Ich entschied mich dann für den Arztberuf.


1960 ­ Eintritt ins ,,Medical College" Der Herr half mir, ins ,,Christian Medical College" in Vellore aufgenommen zu werden. Jedes Jahr zur Weihnachtszeit besuchte ich dieses Lepra-Krankenhaus und gewöhnte mich daran, den dortigen Patienten zu helfen. Meine Eltern waren jedoch nicht glücklich, dass ich statt nach Hause dorthin ging, um meinen Urlaub zu verbringen. Sie waren glücklich, dass ich den Arztberuf erlernte, aber sie wollten nicht, dass ich mein ganzes Leben mit Leprakranken arbeitete. Sie wussten, dass es (damals) kein Heilmittel gegen Lepra gab, und dass viele, die mit solchen Menschen arbeiteten, sich Lepra zuzogen. Meine Eltern sagten mir auch, dass mich niemand heiraten würde, wenn ich mit Leprakranken arbeitete.


1967 ­ Meine Arbeit als praktizierende Ärztin Ich war jedoch überzeugt, dass es der Wille des Herrn war, dass ich dort arbeitete, zumindest für eine gewisse Zeit. Daher begann ich meine Arbeit in diesem Krankenhaus, sobald ich meine Ausbildung als Ärztin abgeschlossen hatte. Ich war die erste weibliche Ärztin in Indien, die in diesem Lepra-Krankenhaus arbeitete, und die einzige Ärztin in diesem ganzen Gebiet. Frauen, die sich Lepra zuziehen (die mit einem kleinen Fleck auf der Haut beginnt), verbergen diese Krankheit so lange wie möglich, und sie werden nie zu einem männlichen Arzt gehen. Zu der Zeit, wenn ihre Lepra offensichtlich wird, ist sie so weit fortgeschritten, dass es keine Heilung mehr gibt. Bis dahin haben sie auch ihre Kinder und andere in ihrem Haus angesteckt. Weil ich eine Frau war, gestatteten mir die Frauen, ihren Körper in Bezug auf irgendwelche Flecken auf ihrer Haut zu untersuchen. Auf diese Weise konnten wir anfangen, die infizierten Frauen in einem frühen Stadium zu behandeln, was half, sie zu heilen. Ich arbeitete dort ein ganzes Jahr lang, und der Herr gab mir viele Gelegenheiten, diesen Menschen zu dienen. Der Herr half mir auch, Marathi zu lernen, sodass ich sie verstehen und mit ihnen sprechen konnte.


Er gab mir auch Weisheit, um zu wissen, wie ich sie behandeln sollte. Es gab einige Frauen, die auch andere Krankheiten hatten. Aber bei allen erlebte ich den Herrn als den großen Arzt und Heiler.


1968 ­ Kothara Lepra-Krankenhaus 2009 ­ mit einer betagten Beth Walton (Annies Mentorin im Kothara Lepra- Krankenhaus, 1967).


Meine Ehe Als ich im medizinischen College in Vellore war, besuchte ich gewöhnlich eine Gemeinde, dessen erster Leiter Bruder Bakht Singh war ­ ein gottesfürchtiger Mann, den ich sehr respektierte. Er war zu mir wie ein Vater gewesen. Im Jahre 1967, bevor ich die Arbeit im Lepra-Krankenhaus beendete, fragte er mich, ob ich erwägen würde, einen seiner jüngeren Mitarbeiter zu heiraten ­ Zac Poonen. Er bat mich, darüber zu beten.


Zac war ein Marineoffizier gewesen und war ein Jahr vorher aus der Indischen Marine ausgeschieden, um dem Herrn zu dienen. Ich hatte Zac bei ein paar Anlässen sprechen gehört und ich bewunderte ihn. Ich wusste, Gott hatte Zac in Seinen Dienst berufen und dass es durch seinen Dienst an vielen Orten Erweckungen gegeben hatte. Daher empfand ich, dass er die beste Person wäre, die ich als meinen Ehemann haben konnte ­ denn ich wäre leicht in der Lage, zu ihm aufzuschauen. Dementsprechend schrieb ich einen Brief an meinen Vater. Aber mein Vater war damit nicht einverstanden.


Zac hatte all seine Einkünfte, die er bei der Marine erzielt hatte, für Gottes Werk gegeben, und hatte jetzt keinerlei Einkommen mehr. Daher fragte sich mein Vater, wie Zac in der Lage sein würde, eine Familie zu versorgen, und er weigerte sich, die Angelegenheit weiter in Betracht zu ziehen. Er entschied auch, dass ich das Lepra- Krankenhaus verlassen sollte und sagte mir, dass er dorthin kommen würde, um mich nach Hause zu bringen. Mein Vater war ein Geschäftsmann und ein Prediger.


Während der langen Reise von zu Hause hin zu meinem Arbeitsort machte er an einer Reihe von Orten halt und predigte in Gemeinden. In einigen dieser Gemeinden erkundigte er sich bei seinen Freunden über Zac. Alle gaben ihm einen guten Bericht über Zac und sagten meinem Vater, dass er glücklich sein würde, einen solchen Mann als Schwiegersohn zu haben! Ein amerikanischer Missionar (der der engste Freund meines Vaters war) sagte dasselbe und fügte hinzu: ,,Viele Ärzte sind nur daran interessiert, Geld zu machen. Aber deine Tochter ist nicht daran interessiert, Geld zu machen, sondern möchte dem Herrn dienen. Daher hat sie die Wahl getroffen, jemanden zu heiraten, der ebenfalls dem Herrn dient." Als er das alles hörte, änderte sich die Einstellung meines Vaters völlig und er stimmte meiner Ehe mit Zac zu. Ich war sehr glücklich.


1968 ­ Hochzeit Aber die Leute im Krankenhaus waren traurig, dass ich sie verlassen würde. Auch ich liebte sie. Ich erinnere mich an ein Treffen, an dem ich zu den weiblichen Patienten sprach, in dem so etwas wie eine Erweckung ausbrach. In einer Ecke des Zimmer fing eine Frau plötzlich an zu weinen, ging dann auf eine andere Frau zu und entschuldigte sich bei ihr mit den Worten: ,,Es tut mir leid, ich habe es so lange gemieden, mit dir zu sprechen." Dann ging eine andere hin zu einer anderen Person und versöhnte sich mit ihr. Sehr bald war der ganze Raum voller Frauen, die weinten und zu Gott beteten. Der Heilige Geist bewegte sich in unserer Mitte.


Nachdem ich eine solche Bewegung Gottes gesehen hatte, fühlte ich mich traurig, dass ich sie verlassen musste. Ich betete: ,,Herr, Du tust hier so ein wunderbares Werk. Möchtest Du wirklich, dass ich diesen Ort verlasse und weggehe?" Aber ich wusste, dass die Wege des Herrn nicht meine Wege waren, und ich spürte, dass Er mich jetzt in ein neues Kapitel meines Lebens führte. Und Er würde mich weiter Schritt für Schritt leiten. So verließ ich im Juni 1968 das Krankenhaus. Bruder Bakht Singh leitete meine Hochzeitszeremonie mit Zac in Vellore.


1968 ­ Hochzeit Nach meiner Hochzeit entdeckte ich bald, wie schwierig es war, ohne regelmäßiges Einkommen zu leben! Mein erster Gedanke damals war, dass ich zurück ins Lepra- Krankenhaus gehen und dort arbeiten könnte und Zac könnte diesen Ort zu seiner Basis für seinen Reisedienst machen. Daher besuchten wir das Krankenhaus. Aber Zac spürte keinerlei Führung von Gott, sich dort niederzulassen. So kehrten wir nach Vellore zurück. Wir hatten nicht genug Geld, um uns ein Haus zu mieten, und daher mussten wir dort in einem Zimmer im Haus seiner Eltern leben. Unser erster Sohn wurde etwas mehr als ein Jahr später geboren, und dann nahmen unsere finanziellen Bedürfnisse deutlich zu. Wir mühten uns ab, mit dem Wenigen, was wir erhielten, auszukommen.


Die Taufe im Heiligen Geist Bis zu meiner Hochzeit war ich am College und im Krankenhaus sehr aktiv in Gottes Werk gewesen. Aber nun saß ich einfach zu Hause (in einem Haus, das nicht einmal mir gehörte), ohne viel Geld und mit einem kleinen Kind, für das ich sorgen musste. Ich wurde sehr entmutigt und fing an, in meinen Gedanken von Gott abzudriften. Ich tat äußerlich nichts Falsches. Ich ging weiterhin zu den Versammlungen der Gemeinde. Aber in meinem Inneren war ich elend. Ich wusste, dass Gott mich geleitet hatte, Zac zu heiraten. Aber ich fragte mich, warum wir so leiden mussten. Mir war nicht zum Beten oder selbst zum Bibellesen zumute.


Zudem hielt mich unser Baby nachts wach und ich war ständig müde.


In dieser Zeit der äußersten Entmutigung kam eine Schwester, die ich noch nie zuvor getroffen hatte, zu uns nach Hause. Sie fragte mich, ob wir zusammen beten könnten. Ich stimmte zu und nahm sie mit in mein Schlafzimmer, wo wir zusammen beteten. Die Frische in ihrem Gebet forderte mich heraus. Es brachte mich dazu, in meinem eigenen Leben nach einer solchen Frische zu verlangen.


Diese Schwester machte den Vorschlag, dass ich das nächste Mal zur ihr nach Hause zum Gebetreffen kommen sollte. So nahm ich das nächste Mal mein Baby und ging zu ihrem Haus. Wir beide knieten uns nieder und beteten, während mein Baby zwischen uns schlief. Ich betete mit den Worten: ,,Herr, in meinem Leben ist etwas passiert. Einst war ich dir so nahe, aber nun habe ich mich so weit von Dir entfernt. Bitte hab Erbarmen mit mir und bringe mich zu Dir zurück." Dann fing der Herr an, mir zu zeigen, dass ich in meinem Herzen falsche Einstellungen gegenüber einigen Menschen hatte. Zwischen meinem Vater und mir war eine Distanz entstanden. Die Eltern meines Mannes waren sehr gut zu mir, aber ich war in ihrem Hause nicht glücklich. Der Herr öffnete meine Augen und zeigte mir, dass das Problem nicht bei anderen, sondern bei mir lag. So fing ich an zu weinen und sagte: ,,Herr, vergib mir. Ich bin ein solch verdorbener Sünder.


Menschen denken, dass ich äußerlich gut bin, aber ich bin innerlich voller Bitterkeit." Plötzlich spürte ich, dass Gott mein Herz berührte. Ich fühlte mich wie ein Kind in Seinen Armen. Er hob mich auf und meine Tränen hörten auf. Er füllte mein Herz erneut mit Freude und Friede. Als ich anfing, Gott zu loben und zu danken, entdeckte ich, dass ich in einer neuen Sprache redete. Ich war überrascht. Vom kirchlichen Hintergrund gehörte ich zu den ,,Brüdern" ­ ich glaubte nicht an die Gabe der Zungenrede. Ich wunderte mich, was mit mir geschah. Ich hatte nicht geplant und gewollt, in dieser seltsamen Sprache zu reden. Daher fing ich an, wieder auf Englisch zu beten. Aber es war nun ein Kampf, auf Englisch zu beten.


Ich fand es leichter, in der neuen Sprache, die Gott mir gegeben hatte, zu beten. Ich schüttete einfach Gott mein Herz aus und lobte Ihn in dieser neuen Sprache. In meinem Geist fühlte es sich so an, als ob ich nicht länger auf Erden wäre. In meinem Herzen waren eine solch große Freude und ein solcher Friede. Ich kam nach Hause zurück und erzählte meinem Mann, was geschehen war. Und in den folgenden Tagen sah er eine wirkliche Veränderung in meinem Leben. Eine neue Frische war in mein Leben gekommen. Mein Empfinden war, als ob sich die trockene, unfruchtbare Wüste in meinem Herzen plötzlich in eine frische und grüne Wiese verwandelt hatte! Diese Freude und dieser Friede haben mich seit diesem Tag nie mehr verlassen.


Als Familie begegneten wir vielen Prüfungen von Menschen, die sich uns widersetzten. Aber keines dieser Dinge hat mich jemals von meiner Beziehung zum Herrn abgebracht. Nach der Geburt unseres vierten Kindes erkrankte ich plötzlich an rheumatischer Arthritis und musste fast die ganze Zeit im Bett liegen. Sogar dann hat der Herr mein Herz voller Freude und Frieden bewahrt ­ und nach einem Monat hat Er mich auf wunderbare Weise geheilt.


Im August 1975 begann der Herr in unserem Haus eine Gemeinde. Danach erfuhren wir eine Menge Opposition seitens anderer Christen in Indien. Wir hatten auch unsere Mühe damit, die Bedürfnisse unserer Familie zu befriedigen. Aber in all diesen Situationen stand Gott mir bei, stärkte mich und erhörte die Gebete. Ich lernte Ihn immer inniger als meinen Vater kennen.


Dann öffnete Gott meine Augen für die großen Wahrheiten des neuen Bundes, den Er in Christus eingesetzt hatte. Er zeigte mir, dass Er mir die Kraft des Heiligen Geistes gegeben hatte, damit ich nicht mehr für mich selber, sondern nur für Ihn leben würde. Ich sah, dass Gott mich in das Ebenbild Christi verwandeln wollte ­ und Er fing an, mich langsam zu verändern. Er lehrte mich Geduld und half mir, meinen Zorn zu überwinden und Er füllte mein Herz mit Liebe zu den Menschen.


Mein Familienleben Als Frau von Zac bin ich enorm gesegnet worden. Als ich mit Zac verheiratet wurde, sagte mir der Herr, dass es meine Aufgabe war, ihn zu unterstützen und als Gehilfin für ihn zu sorgen. Und mit Gottes Hilfe habe ich das nun 44 Jahre lang zu tun versucht.


Zac ist ein sehr liebevoller Ehemann zu mir gewesen. Er ist direkt nach dem Herrn mein bester Freund auf Erden. Wir lieben einander innig und wir können uns nicht vorstellen, ohne einander zu leben.


,,Mein Geliebter ist umwerfend ... und unter Tausenden ist keiner wie er. Sein Mund ist voll Süße ­ alles an ihm ist begehrenswert. Das ist mein Geliebter und das ist mein Freund" (Hl 5,10.16; frei übersetzt).


Wenn Zac bei Hochzeiten oder mit verheirateten Paaren spricht, dann unterstützt unsere Ehebeziehung seine Botschaften und beweist, dass das, was er sagt, funktioniert.


Wir sind noch weit von Vollkommenheit entfernt und wir haben, wie alle Ehepaare, auch genug Fehler gemacht. Aber ich kann ehrlich sagen, dass unsere Ehe ein kleiner Vorgeschmack des Himmels auf Erden gewesen ist.


Gott hat uns mit vier wunderbaren Jungen gesegnet und allen von ihnen gottesfürchtige Frauen gegeben. Es war uns eine Freude, zu sehen, dass sie alle dem Herrn nachfolgen. Auch sie sind ein lebendiges Zeugnis für die Tatsache, dass unser Heim- und unser Familienleben bestätigt haben, was wir predigen. Für all das gebe ich Gott die Ehre.


Nun haben wir auch eine Anzahl von Enkelkindern, mit denen ich jedes Mal, wenn ich sie treffe, gerne spiele. Wir beten regelmäßig für sie und glauben, dass auch sie aufwachsen und dem Herrn folgen und in ihrer Generation Seine Zeugen auf Erden sein werden. Das ist unser größter Wunsch für sie.


Es gibt viele wunderbare Dinge, die der Herr für mich und für meine Familie getan hat ­ viel zu viele, um sie alle aufzuzählen. Für all diese Dinge und für viele andere, werde ich dem Herrn in alle Ewigkeit dankbar sein.


Ich habe Gottes Güte in so mannigfacher Weise erfahren, nicht weil ich es verdiene, sondern weil Gott ein guter Gott ist. Gott ist zu allen Menschen gut ­ ob sie Seine Güte verdienen oder nicht. Wenn ich also Gottes Güte erfahre, bilde ich mir nicht ein, dass ich diese Segnungen erhalten habe, weil ich entweder gut oder großartig war. Gott ist gut zu mir gewesen, einfach weil Er Gott ist und weil Er von Natur aus gütig ist. Daher beweisen Seine Güte, die Er mir und meiner Familie erwiesen hat, bloß die erstaunliche Güte dieses wunderbaren Gottes, der mein himmlischer Vater ist.


Alle Ehre und aller Lobpreis gebühren Gott allein für das, was Er ist und für das, was Er getan hat. Amen.


Originalartikel: What The Lord Has Done for Me ­ Testimony of Annie Zac Poonen