Das wahre und das falsche Evangelium

Autor :   Zac Poonen
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Christen werden generell gesprochen wie folgt in zwei Gruppen unterteilt:

(1) „Römisch Katholische" und „Protestanten" - abhängig von der Geburt.

(2) „Episkopal" (konformistisch) und „freikirchlich" (nicht konformistisch) - abhängig vom Kirchenmodell.

(3) „Wiedergeborene Christen" und „Namenschristen" - abhängig von ihrer „Erfahrung". (4) „Evangelikale" und „Liberale" - abhängig von der Lehre.

(5) „Charismatiker" und „Nicht-Charismatiker" - abhängig vom „Zungenreden".

(6) „Christen im vollzeitlichen Dienst" und „Laien" - abhängig von ihrem Beruf.

Man könnte noch weitere Einteilungen dieser Art vornehmen. Aber keine dieser Einteilungen befasst sich mit der Wurzel des Problems, das zu lösen der Herr kam.

Viele wissen, dass „Christus für unsere Sünden gestorben ist" (1Kor 15,3). Aber viele wissen nicht, dass die Bibel lehrt, dass Christus auch gestorben ist, „damit wir nicht länger für uns selbst leben, sondern für ihn" (2Kor 5,15).

Eine bessere, mit der Heiligen Schrift in Einklang stehende Art und Weise, Christen einzuteilen, wäre folgende:

(1) „Diejenigen, die für sich selbst leben" und „diejenigen, die für Christus leben"; oder

(2) „diejenigen, die das Ihre [den eigenen Vorteil] suchen" und „diejenigen, die die Dinge Christi suchen"; oder

(3) „diejenigen, die zuerst nach irdischen Dingen trachten" und „diejenigen, die zuerst nach dem Reich Gottes trachten"; oder

(4) „diejenigen, die Geld lieben" und „diejenigen, die Gott lieben" (Jesus sagte, dass es unmöglich ist, beide zu lieben - siehe Lk 16,13).

Aber ich habe noch nie gehört, dass eine solche Einteilung verwendet wurde. Diese Einteilung befasst sich mit dem inneren Leben eines Christen und seinem persönlichen Wandel mit Gott, wohingegen die vorhin erwähnten Methoden sich mit den äußerlichen Details des Lebens befassen. Doch es ist die letztere Art, in der der Himmel Christen einteilt. Wenn das der Fall ist, dann ist das die einzige Einteilung, die von Bedeutung ist! Bei dieser Methode können uns andere nicht einstufen - denn niemand außer wir selbst kennen unsere inneren Motive und Wünsche. Sogar unsere Ehepartner mögen sich nicht bewusst sein, wofür wir leben.

Unser Herr kam nicht hauptsächlich deswegen, um Menschen eine Doktrin oder ein Kirchenmodell zu geben und sie dazu zu bringen, in Zungen zu reden oder um ihnen sogar eine Erfahrung zu ermöglichen!

Er kam, um „uns von unseren Sünden zu retten". Er kam, um die Axt an die Wurzel des Baumes zu legen. Und die Wurzel des Baumes ist: Auf uns selbst zentriert zu sein, unsere eigenen Interessen zu suchen und unseren eigenen Willen zu tun. Wenn wir dem Herrn nicht erlauben, diese „Wurzel" mit der Axt zu entfernen und auszureißen, werden wir nur oberflächliche Christen sein. Satan kann uns jedoch verführen und uns glauben machen, dass wir auf Grund unserer Lehre oder unserer Erfahrung oder unserem Kirchenmodell zu einer höheren Klasse als andere Christen gehören!

Es macht Satan nichts aus, wenn wir sogar die richtige Lehre, die richtige Erfahrung oder das richtige Kirchenmodell haben, solange wir weiterhin „für uns selbst leben" (dies ist nebenbei erwähnt nur eine andere Bezeichnung für „in Sünde leben"!). Die heutige Christenheit ist voll von Christen, die ihren eigenen Vorteil suchen und für

sich selbst leben, die aber dennoch überzeugt sind, dass Gott sie gegenüber anderen Christen als überlegen ansieht, bloß auf Grund von Unterschieden in der Lehre oder dem Gemeindemodell oder den „Erfahrungen". Dies zeigt, welch großes Werk Satan in der Christenheit gelungen ist.

In Johannes 6,38 sagte unser Herr, dass Er vom Himmel auf die Erde kam, um

(1) Seinen menschlichen Willen (den Er erworben hatte, als Er als Mensch auf die Erde kam) zu verleugnen, und (2) um als Mensch den Willen Seines Vaters zu tun. Dadurch wurde Er zu unserem Vorbild.

Während Jesu irdischem Leben - während all seiner 33 ½ Jahre - verleugnete Er Seinen eigenen Willen und tat den Willen Seines Vaters. Er sagte Seinen Jüngern deutlich, dass diejenigen, die Seine Jünger sein wollten, denselben Weg gehen müssten. Er kam, um die Wurzel der Sünde in unserem Leben zu treffen - „den eigenen Willen zu tun" - und uns davon zu erretten.

Auf dem Gebiet der Wissenschaft machte der Mensch jahrtausendelang den Fehler, zu glauben, dass die Erde das Zentrum des Universums sei. Für das menschliche Auge sah es so aus - weil sich Sonne, Mond und Sterne tatsächlich alle 24 Stunden einmal um die Erde zu drehen schienen. Es brauchte vor erst etwa 500 Jahren den Mut eines Kopernikus, um diese populäre Auffassung in Frage zu stellen und zu zeigen, dass sie völlig falsch war, und dass die Erde nicht einmal das Zentrum des Sonnensystems, geschweige denn des Universums war. Er zeigte, dass die Erde geschaffen wurde, um auf die Sonne ausgerichtet zu sein. Solange der Mensch das falsche Zentrum hatte, waren seine wissenschaftlichen Berechnungen und Ableitungen falsch - weil sein Zentrum falsch war. Aber nachdem der Mensch einmal das richtige Zentrum entdeckt hatte, erwiesen sich diese Berechnungen und Ableitungen als richtig.

Dasselbe trifft auf uns zu, wenn wir „selbstzentriert" statt „gottzentriert" sind. Unser Verständnis der Bibel und von Gottes perfektem Willen (unsere Berechnungen und Ableitungen) werden dann falsch sein. Aber genauso wie die Menschen mehr als 5000 Jahre lang überzeugt waren, dass sie richtig lagen (wie wir vorhin gesehen haben), können auch wir glauben, dass wir richtig liegen! Aber tatsächlich werden wir 100%ig falsch liegen.

Genau das sehen wir heute unter vielen „guten Christen". Sie haben so viele unterschiedliche Auslegungen derselben Bibel - und doch ist jeder überzeugt, dass seine Auslegung allein richtig ist und die aller anderen falsch. Die anderen, so werden sie sagen, sind „verführt". Warum ist das so? Weil sie ein falsches Zentrum haben.

Der Mensch wurde geschaffen, um auf Gott, nicht auf sich selbst ausgerichtet zu sein. Wenn Christen ein falsches Zentrum haben, dann wird auch ihr „Evangelium" falsch sein. Im Grunde gibt es nur zwei Evangelien, die heute gepredigt werden - eines, das den Menschen im Zentrum hat und eines, das Gott im Zentrum hat.

Das menschenzentrierte Evangelium verheißt dem Menschen, dass Gott ihm alles geben wird, was er braucht, um sein Leben auf Erden bequem zu machen und ihm am Ende des Lebens auch einen Platz im Himmel geben wird. Dem Menschen wird gesagt, dass Jesus all seine Sünden vergeben, all seine Krankheiten heilen, ihn segnen und materielles Gedeihen geben, all seine irdischen Probleme lösen wird usw.

Das eigene Ich bleibt der Mittelpunkt im Leben eines solchen Menschen und Gott dreht sich um ihn - als seinem Diener -, um all seine Gebete zu erhören, und ihm zu geben, was immer er auch haben möchte! Alles, was er tun muss, ist „zu glauben" und „jeden materiellen Segen im Jesu Namen in Anspruch zu nehmen"!

Das ist ein falsches Evangelium, weil von „Buße" keine Rede ist. Buße ist das, was Johannes der Täufer, Jesus, Paulus und alle anderen Apostel zuallererst predigten. Und Buße wird heute leider nicht gepredigt, nicht einmal als Allerletztes!

Auf der anderen Seite ruft das gottzentrierte Evangelium die Menschen auf, Buße zu tun. Es erklärt, dass Buße bedeutet:

Sich vom Ich als dem Zentrum des eigenen Lebens, vom Tun des eigenen Willens, vom Wandel nach dem selbst erwähltem Weg, von der Liebe zum Geld, von der Liebe zur Welt und den Dingen dieser Welt (des Fleisches Lust, der Augen Lust und dem hoffärtigen Leben) usw. ABZUWENDEN und sich Gott ZUZUWENDEN, Ihn von ganzem Herzen zu lieben, Ihn zum Zentrum des eigenen Lebens zu machen und hinfort Seinen Willen zu tun usw.

Der Glaube an Christi Tod am Kreuz kann einem Menschen seine Sünden nur vergeben, wenn er Buße getan hat. Dann kann er die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, um ihn zu befähigen, sich selbst täglich zu verleugnen, damit er ein gottzentriertes Leben führen kann. Das ist das Evangelium, das Jesus und die Apostel predigten.

Das falsche Evangelium macht die Pforte weit und den Weg breit (leicht zu folgen, weil man das eigene Ich nicht verleugnen oder aufhören muss, für die eigenen Interessen oder für den eigenen Vorteil zu leben). Millionen nehmen an Versammlungen teil, wo ein solches falsches Evangelium gepredigt wird. Viele gehen durch diese Pforte ein und wandeln auf diesem Weg, im Glauben, dass er zum Leben führt. Aber in Wirklichkeit führt er zum Untergang. Die Verkünder dieses Evangeliums brüsten sich damit und berichten von der großen Zahl von Leuten, die in ihren Versammlungen „ihre Hände hoben und eine Entscheidung für Christus" trafen! Aber das ist alles eine Täuschung. Obwohl einige auf Grund ihrer Aufrichtigkeit tatsächlich bei solchen Versammlungen bekehrt wurden, enden viele „Bekehrte" darin, dass sie „doppelte Kinder der Hölle" (Mt 23,15) werden, die in Bezug auf ihren wahren Zustand verführt sind.

Das wahre Evangelium jedoch macht die Pforte eng und den Weg schmal - nicht enger als ihn Jesus selber machte, wie einige „supergeistliche" Sektierer es tun, aber genau dieselbe Größe, wie Jesus es vorgab. Es sind nur wenige, die diesen Weg zum Leben finden. Es gibt für Verkünder dieses Evangeliums nicht viel zu berichten und die Statistiken sind nicht beeindruckend. Aber dieses Evangelium führt Menschen zum Herrn Jesus und zum Himmel.

„So seht nun darauf, wie ihr zuhört. Wer dem gehorcht, was er gehört hat, dem wird mehr Licht und Verständnis gegeben werden. Aber wer dem, was er gehört hat, nicht gehorcht, dem wird sogar das Licht und das Verständnis, das er zu haben meint, weggenommen werden" (Lk 8,18; frei übersetzt).

Wer Ohren hat zu hören, der höre.

Originalartikel: The True Gospel And The False